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Circumstantial evidence for Plato's Island Atlantis in the Souss-Massa plain in today's South-Morocco
Die Entdeckung einer prähistorischen Stadt in einer ringförmigen geomorphologischen Struktur zeugen von einem wahren Kern des platonischen Atlantis Mythos (Version française )
Atlantis im Souss (Tifinagh: ⵙⵓⵙ) in Südmarokko - Ein Überblick über Theorie, Methodik und Resultate

In den modernen Informationswissenschaften werden häufig heuristische Methoden angewendet, um mit geringen Aufwand zulässige Lösungen für ein bestimmtes Problem zu erhalten. Diese Methoden kommen meist dann zum Einsatz, wenn aus einer großen Anzahl von möglicherweise richtigen Lösungen (große Lösungsdomain) diejenigen herausgefiltert werden sollen, die eine echte Lösung darstellen oder unter denen sich eine echte oder akzeptable Lösung befindet.

Ein sehr simples Beispiel eines solchen Problems und dessen Lösung ist das Finden einer Hausnummer innerhalb einer Straße. Niemand würde bei der Suche nach einer Hausnummer in einer Straße mit 1000 Häusern (große Lösungsdomain) alle 1000 Häuser der Reihe nach überprüfen. Intuitiv würde man die Menge der zu überprüfenden Adressen mit zwei simplen Vergleichen eingrenzen:

  • Ist die zu suchende Hausnummer gerade oder ungerade?

  • Ist die zu suchende Hausnummer kleiner oder größer als die, an der man sich gerade befindet?

Der Trick hierbei ist also, dass man sich die interne Struktur der Hausnummern zunutze macht. Gerade Nummern sind auf einer Straßenseite, ungerade auf der anderen zu finden. Zudem sind die Nummern aufsteigend sortiert. Durch dieses hierarchische Filtern kann man im statistischen Mittel die Anzahl der zu überprüfenden Hausnummern (und somit den Aufwand für die Suche) auf 25% reduzieren.

Auch das Atlantis-Enigma, also die Frage „Gab es Platons Atlantis und wenn ja, wo hat es gelegen?“ ist ein klassischer Vertreter dieser Problemart, denn auch hier handelt es sich um eine Ortssuche. Allerdings müssen nicht Hausnummern, sondern andere, zum Teil diffusere Informationen ausgewertet werden und der Ort (sollte er existieren) muss nicht innerhalb einer kleinen Straße gesucht werden, sondern könnte theoretisch überall auf der Welt liegen. Die Problematik des Atlantis-Enigma besteht zum einen in der lückenhaften und möglicherweise durch Tradierung verfälschten Beschreibung (diffuse Information), die nicht erkennen lässt, wie man von bekannten Orten der Antike zu der Insel des Atlas (gr.: Ἀτλαντὶς νῆσος, Atlantis Nesos;) gelangen kann, zum anderen ist die große Zahl möglicher richtiger Lösungen (große Lösungsdomain) problematisch, denn die Erdoberfläche ist riesig und eine Überprüfung aller Ort wäre extrem aufwändig. Trotz des riesigen Suchgebietes, liegt es aber auf der Hand, dass es nur genau zwei mögliche 'echte' Lösungen geben kann:

  • Die Insel des Atlas hat nie existiert

  • Die Insel des Atlas hat existiert, dann aber genau an einem spezifischen Ort auf der Welt

Wenn der Weg zu der Insel des Atlas auch nicht sehr exakt beschrieben wird (Platon macht nur sehr grobe Ortsangaben wie '[…] die Bewohner außerhalb der Säulen des Herkules […]' 1 oder 'ein gewaltiges Heer [...] begann [den Feldzug] von außerhalb [der Säulen des Herakles] aus dem Meer des Atlas' 2, so beschreibt er die Insel des Atlas selber sehr detailreiche, und liefert uns somit eine Vielzahl an Atlantis-relevanten Kriterien, die wir bei einer Überprüfung eines Atlantiskandidaten auswerten können. Platon hat uns also gewissermaßen eine Hausnummer oder einen Schlüssel zur Lösung des Problems überliefert. Natürlich wäre es aber extrem aufwändig jeden Ort der Welt dahingehend zu untersuchen, wie viele dieser Atlantis-relevanten Kriterien jeweils zutreffen (analog zu der Hausnummernsuche, bei der man vermeidet jedes einzelne Haus zu überprüfen). Eine heuristische Methode, die uns erlaubt die plausibelsten Orte herauszufiltern, könnte hier also die richtige Wahl des Mittels sein. Eine Methode, die hierfür besonders gut geeignet scheint ist das sogenannte heuristischen Verfahrens der Hierarchical Constraint Satisfaction (http://de.wikipedia.org/wiki/Hierarchische_Bedingungserfüllung). Die Ergebnisse die dieses Verfahren bezüglich den Fragen 'Gab es Platons Atlantis?' und 'Wo hat es gelegen?' , auf Grundlage aller bekannten Atlantis-relevanten Kriterien liefert, werden diskutiert. Vorab muss betont werden, dass die hier vorgestellte prähistorische Fundstätte der wissenschaftlichen archäologischen Gemeinschaft bisher nicht bekannt war. Die Entdeckung dieses bemerkenswerten archäologischen Ensemble gelang allein mithilfe der heuristischen Analyse auf Basis der Platon-Dialoge Timaios und Kritias.

Atlantis-relevante Kriterien

Auf der Atlantis 2005 International Conference in Milos (Griechenland) wurden 24 Kriterien (milos.conferences.gr) aus Platons Dialogen abgeleitet, die ein Ort erfüllen sollte um als ernstzunehmender Atlantis-Kandidat zu gelten. Diese Kriterien wurden von dort vertretenen Atlantis-Experten erarbeitet und sind in die Conference Proceedings (Kontaratos, 2007) I eingeflossen. Einige dieser Kriterien sind z.B.: "Atlantis war eine Insel", "Atlantis Hauptstadt lag auf einem Berg, der sich 50 Stadien vom Meer entfernt befand", "Auf diesem Berg gab es heiße und kalte Quellen", "In Atlantis gab es rot-schwarz weißes Gestein" etc. Zusätzlich zu diesen 24 Kriterien lassen sich aus Platons Dialogen einige elementare geografische Kriterien ableiten, die ebenfalls auf Atlantis zutreffen müssen. So lag Atlantis Hauptebene in unmittelbarer Nähe zu einem Meer, das die Nähe der gesamten Insel zum Meer impliziert (Kriterium Meernähe), ebenfalls soll diese Ebene von vielen, sehr hohen Bergen umringt gewesen sein (Kriterium Hohe Berge), etc. Insgesamt lassen sich aus Platons Dialogen über 40 Kriterien ableiten, die auf die Insel des Atlas zutreffen sollten.

Stand der Wissenschaft

Alle bekannten Atlantis-Lokalisierungshypothesen gehen entweder von Orten mit Siedlungsspuren realer historischer Kulturen aus (z.B.: Santorini: Minoische Kultur, Malta: Megalithkultur, Troja: Trojanische Kultur, etc.) oder von Orten, die keine, oder nur sehr geringe archäologische Evidenz besitzen. Bisher hält aber keine dieser Hypothesen einer Überprüfung hinsichtlich aller Atlantis-relevanter Kriterien stand, es hat sich vielmehr gezeigt, dass immer nur sehr wenige Kriterien auf den jeweiligen Lokalisierungsort zutreffen. Dieses Defizit an Übereinstimmungen bei allen bisherigen Hypothesen hat heute zu dem bestehenden wissenschaftlichen Konsens geführt, dass Platons Atlantis rein fiktiv sei. Manche Wissenschaftler räumen bestenfalls noch die Möglichkeit ein, dass Platon die Geschichte aus verschiedenen Versatzstücken mit historischem Bezug komponiert hat.

Die drei problematischen Kriterien "versunken", "Insel" und "kontinentale Größe"

Die Menge der Atlantis-Lokalisierungen, auf die aber jeweils nur sehr wenige der Atlantis-relevanten Kriterien zutreffen, lässt erkennen, dass es weltweit sicherlich nicht viele Ort geben dürfte, die tatsächlich allen, oder zumindest vielen dieser Kriterien gerecht werden. Die Frage „Gibt es einen Ort auf der Welt, der allen Kriterien gerecht wird?“ kann sogar sofort negiert werden. Allein die Beschreibung Platons, dass Atlantis eine im Meer versunkene Insel von kontinentaler Größe3 sei, ist nach heutigem wissenschaftlich-geologischen Kenntnisstand als unmöglich zu erachten, zu mindestens wenn man von einer echten Insel ausgeht, die innerhalb des erdgeschichtlich sehr kurzen Zeitraums der letzten 15.000 Jahre versunken sein soll. Heute kennt man die Bathymetrie (http://de.wikipedia.org/wiki/Bathymetrie) aller Meere und weiß, dass es keinen 'versunkenen' Kontinent gibt. Die drei Kriterien "versunken", "Insel" und "kontinentale Größe" treffen also auf keinen Ort der Welt gleichzeitig zu. Mit dieser Ungereimtheit müssen ausnahmslos alle bestehenden Lokalisierungshypothesen zurecht kommen. Natürlich kann man sich nun auf den Standpunkt stellen, dass Platons Atlantis schon aus diesem Grund nicht existiert haben kann. Dieses Argument wird im Allgemeinen auch von der Fraktion, die Atlantis als ein Phantasieprodukt Platons erachtet, als Argument in die Diskussion eingebracht. Leider muss aber mit Bestimmtheit gesagt werden, dass dieses eine sehr unwissenschaftliche Position ist, wissen wir doch, dass Platons Geschichte einem Jahrtausende alten Tradierungsprozess über mehrere Sprachgrenzen hinweg ausgesetzt gewesen sein soll. Naturgemäß können in so einem Tradierungsprozess Informationen verfälscht werden, wegfallen oder sogar neue 'dazugedichtet' werden. Insbesondere auch durch Übersetzung gehen leicht ursprüngliche Informationen verloren, da es oft kein 100 prozentiges Pendant in der Zielsprache gibt. Wenn wir z.B. im Deutschen das Wort Insel verwenden, meinen wir in aller Regel eine rundum von Wasser umgebene Landfläche. Es ist aber z.B. bekannt, dass der Term νῆσος (nesos = Insel) bei den Griechen in der Antike auch für Halbinseln (z.B. Peloponnes, deutsch: Insel des Pelops) oder sogar für das Nildelta verwendet wurde 4, letzteres also ein Gebiet, das definitiv keine Insel im herkömmlichen Sinn ist. Der griechische Begriff νῆσος leitet sich von dem griechischen Wort für schwimmen ab. Dass das Nildelta auch νῆσος genannt wurde, liegt vermutlich daran, dass die durch Kanalsysteme bewässerten landwirtschaftlichen Parzellen während der alljährlichen Überschwemmung immer wieder zu "Inseln" wurden.5 In diesem Zusammenhang ist übrigens auch Platons Beschreibung des Kernraums von Atlantis sehr interessant, denn er sagt explizit, dass die Hauptebene der Insel des Atlas durch ein schachbrettartig angeordnetes Kanalsystem bewässert wurde und dass die Hauptstadt von Kanälen umgeben war. Wenn der Begriff nesos für das Nildelta verwendet wurde, warum also nicht auch für andere Deltas?

Nicht nur im Griechischen, sondern insbesondere auch in semitischen Sprachen wird der Begriff Insel oft auf Halbinseln und Gebiete ausgeweitet, die keine 'echten' Inseln sind. Ein paar Beispiele aus dem Arabischen:

  • الجزيرة‎ (Al Jazeera/Dschazira), deutsch: „Die Insel” gemeint ist „Die Arabische Halbinsel

  • الجزائر‎ (Al-Dschaza'ir), deutsch: „Die Inseln“ gemeint ist „Algerien“;

  • الجزيرة‎ (Al Jazeera/Dschazira), deutsch. „Die Insel“ gemeint ist ein Gebiet mitten in Afrika, das zwischen dem Blauen und Weißen Nil im heutigen Sudan liegt;

Ähnlich verhält es sich laut dem Ägyptologen Rhys Carpenter auch mit der Hieroglyphe für Insel, die auch für Küste, Küstenstreifen, Strand verwendet wurde. Immerhin soll die Atlantisgeschichte, laut Platon, ja aus dem altägyptischen Sais kommen, wo sie in Hieroglyphen niedergeschrieben war.

Darüber hinaus kann man auch aus Platons Beschreibungen nicht mit Bestimmtheit auf eine 'echte' Insel schließen, denn er verwendet eben lediglich den nicht eindeutigen Term nesos. Eine explizite Beschreibung, dass Atlantis eine ringsum von Wasser umgebene Insel sei, ist aber nirgends in seinen Dialogen zu finden. Vielmehr deutet seine Beschreibung sogar darauf hin, dass es sich eher um einen Küstenstreifen (analog zu der Bedeutung der ägyptischen Hieroglyphe) gehandelt haben muss, denn er sagt '[...] am Meer, etwa in der Mitte der Insel lag eine Ebene [...]'. Dass die Ebene sowohl in der Mitte der Insel als auch an ihrem Ufer lag, scheint aber widersprüchlich (es sei denn, man geht von einer länglichen Form der Insel aus). Plausibler ist hier die Annahme, dass mit Insel ein Küstenstreifen gemeint ist und die Ebene sich in dessen Mitte befunden hat, so daß sie die Kriterien am Meer und in der Mitte, gleichzeitig erfüllt. Nüchtern betrachtet ist der Begriff nesos also sprachlich mehrdeutig und Platons Beschreibung nicht eindeutig. Der Standpunkt, Atlantis sei eine von Wasser umrundete Insel, ist aus wissenschaftlicher Perspektive somit fraglich und man sollte es vermeiden mit einer voreiligen Festlegung aktiv zur weiteren Mystifizierung der Atlantis-Erzählung beizutragen. Man muss bei einer Suche also 'echte' Inseln, Halbinseln, Küstenstreifen, Flussdeltas und sogar Festland in Erwägung ziehen.

Auch das Attribut „versunken“, das laut Platon auf die Insel zutreffen soll, ist nicht eindeutig. Denn Platon sagt weder explizit, dass die Hauptstadt, noch dass die sehr hohen Berge, die um die Hauptebene der Insel lagen, versunken sind. Platon sagt hingegen aber, dass die Insel Schlamm zurückgelassen hat, was aber nahelegen könnte, dass sie nicht komplett versunken ist. Selbst ein 'Meer aus Schlamm' wäre immer noch als Landmasse zu bezeichnen und eben nicht als Meer. Aber selbst wenn man annimmt, dass sie tatsächlich ganz versunken sei und somit von dem unwahrscheinlich anmutenden Fall ausgeht, dass dann auch der höchste Gipfel des Atlantis-Gebirges (wohlgemerkt, Gebirge haben in aller Regel nur einen höchsten Gipfel und Gipfel sind in aller Regel recht spitz) knapp bis unter den Meeresspiegel versunken wäre, so muss man sich doch fragen, wie die Spitze eines einzelnen Berges die Schifffahrt so gravierend behindern sollte, wie es Platon beschreibt. Es liegt also im Bereich des Möglichen, dass die Insel nur teilweise versunken ist oder dass Platon auch auf die kriegerische Niederlage der Atlanter durch die Athener anspielen wollte, die den 'Untergang' von Atlantis zur Folge hatte.

Einen gewissen Interpretationsspielraum lässt auch das Attribute 'kontinentale Größe' zu. Meint Platon tatsächlich eine Insel von „kontinentaler“ Größe oder meint er vielleicht doch nur, dass das Herrschaftsgebiet der Atlanter kontinentale Größe hatte, das eigentliche Kernland, die Insel, aber vielleicht wesentlich kleiner war? Hier ist seine Beschreibung zweideutig, denn er sagt zum einen, dass die Insel des Atlas größer als Libyen (gemeint ist das Gebiet Nordafrikas) und Kleinasien (also in etwa das Gebiet der heutigen Türkei) war, zum anderen erwähnt er, dass die Atlanter Libyen (von den Säulen des Herakles bis zum Nil) erobert haben. Auffällig ist hier also, dass er Libyen zur Beschreibung der Größe der Insel heranzieht, gleichzeitig aber auch sagt, dass Libyen erobertes Gebiet ist. Hat Platon also nur den Begriff Insel auf die eroberten Gebiete ausgeweitet, vielleicht ähnlich wie der Begriff British Empire das Vereinigte Königreich mit allen seinen Kolonien meint, obwohl das eigentliche Kernland, die Insel Great Britain, nur sehr klein ist?

Offensichtlich sind also die drei Kriterien "versunken", "Insel" und "kontinentale Größe" nicht eindeutig und die Kombination aus ihnen scheint umso problematischer zu sein. Die richtige Frage, um diesem über 2300 Jahren alten Rätsel auf den Grund zu gehen darf daher nicht lauten „Gibt es einen Ort auf der Welt, der allen Atlantis-relevanten Kriterien gerecht wird?“, sondern muss lauten: Welcher Ort der Welt erfüllt die meisten Atlantis-relevanten Kriterien? Erst wenn dieser Ort gefunden ist, kann man der Frage nachgehen, wie die Kriterien versunken, Insel und kontinentale Größe zu interpretieren sein könnten.

Hierarchical Constraint Satisfaction

Unter Hierarchical Constraint Satisfaction (Hierarchische Bedingungserfüllung) wird in den Informationswissenschaften ein Verfahren verstanden, mit dessen Hilfe im ersten Schritt eine oder mehrere spezielle Lösungen aus einer großen Domain (von möglichen Lösungen) mittels initial allgemeiner Bedingungen oder Informationen eingegrenzt werden. Im nächsten und allen weiteren Schritten (Hierarchien) wird die jeweilige Ergebnis-Domain (rekursiv) dem gleichen Verfahren unterworfen, wobei aber die zu erfüllenden Bedingungen von 'allgemein' zu immer 'spezieller' wechseln. Das Ergebnis sind Lösungen, die in keinem der angewendeten Schritte 'ausgesiebt' wurden.

Wie erwähnt beschreibt Platon die Insel des Atlas sehr detailreich. Er überliefert uns eine Fülle von Kriterien, die auf diese Insel zutreffen müssen. Für eine heuristische Analyse mittels der Hierarchical Constraint Satisfaction bietet es sich an, jedes dieser Atlantis-relevanten Kriterien anhand der Größe des Objekts, das es beschreibt, zu klassifizieren und einer der folgenden drei geografischen Klassen zuzuordnen:

  • Globale Kriterien (erste Hierarchiestufe)

  • Regionale Kriterien (zweite Hierarchiestufe)

  • Lokale Kriterien (dritte Hierarchiestufe)

Hierdurch wird, ähnlich wie bei dem Hausnummernproblem, ein hierarchisches Heraussieben all der Orte ermöglicht, die der Reihe nach den globalen, regionalen und lokalen Kriterien entsprechen (von allgemeinen zu speziellen Kriterien). Alle Kriterien, die sich auf ein sehr großes Gebiet beziehen, werden somit als global klassifiziert. Zum Beispiel die Hauptebene von Atlantis, von der Platon explizit sagt, dass sie am Meer lag, impliziert die unmittelbare Nähe der ganzen Insel Atlantis zu einem Meer oder Ozean. Da Meere und Ozean weltumspannend, also von globaler Größe sind, wird das Kriterium Meernähe der Klasse der Globalen Kriterien zugeordnet.

Kriterien, die sich auf geographische, geologische oder kulturelle Attribute von subglobaler Größe beziehen werden als regional klassifiziert.

Beispiele für regionale Kriterien:

Geographisch: Es gab eine weite Ebene,
Die Ebene war von hohen Bergen umringt,
...
Geologisch:
Es gab Silber-, Gold- und Zinn-vorkommen,
Es gab rot-schwarz-weißes Grundgestein,
...
Biologisch:
Es gab wohlriechende Pflanzen (Gräser, Wurzeln und Bäume),
Es gab eine Pflanze die zur Gewinnung von fester und flüssiger Nahrung sowie Salbe diente,
Die Flora war mediterran, subtropisch oder tropisch,
...
Kulturell:
Die Atlanter trugen zeitweise blaue Kleidung,
Die Atlanter maßen geraden und ungeraden Zahlen eine besondere Bedeutung zu,
...

Als lokal werden die Informationen klassifiziert, die sich auf sehr kleine geografische Maßstäbe beziehen (z.B. die konzentrische geomorphologische Ringstruktur der Hauptstadt von Atlantis oder Quellen auf der Akropolis).

In der ersten Hierarchiestufe des Verfahrens werden alle als global klassifizierten Kriterien auf einer Weltkarte eingezeichnet. Hierbei wird untersucht, ob irgendein Gebiet eine signifikante Häufung der Kriterien aufweist, die für die Lage der Insel Atlantis in dieser Region sprechen würde. Sofern das der Fall ist, wird das so eingegrenzte Gebiet nun im nächsten Schritt (zweite Hierarchiestufe) mit allen als regional klassifizierten Kriterien verglichen. Sollten die regionalen Kriterien auch auf das Gebiet zutreffen, kann im dritten Schritt (dritte Hierarchiestufe) die Lage der Hauptstadt von Atlantis anhand der lokalen Kriterien innerhalb der Region eingegrenzt werden.

Sofern bei diesem Verfahren ein Kriterium willkürlich wichtiger als ein anderes eingestuft würde, würde in die Berechnung zwangsläufig ein Fehlerrisiko einfließen, denn es könnte sein, dass dieses gewichtete Kriterium falsch ist und hierdurch mehrere wahre Kriterien „überstimmt“ werden. Eine willkürliche Gewichtung eines Kriteriums darf daher nicht erfolgen. Alle von Platon gegebenen Informationen sollten a priori als gleich wichtig angesehen werden.

Ziel ist es also, alle geografisch zuzuordnenden Informationen aus Platons Dialogen mittels Projektion auf einer Welt- bzw. Landkarte abzubilden. Hierbei soll aber die Wichtigkeit der einzelnen Information in den Hintergrund gestellt werden. Untersucht werden soll hingegen, ob an irgendeinem Ort eventuell eine auffällige Häufung von Indiz-Realität-Analogien auftritt. Folgende Szenarien sind denkbar:

  • Wenn weltweit keine Indiz-Realität-Analogien existieren oder diese mehr oder weniger homogen verteilt liegen, ist anzunehmen dass entweder nichts Wahres an der Geschichte ist oder dass die Informationen mittlerweile zu verwaschen sind.

  • Wenn viele Orte existieren, die jeweils vielen Kriterien gerecht werden, muss davon ausgegangen werden, dass die Kriterien nicht aussagekräftig genug sind um eine zuverlässige Lokalisierung vorzunehmen. (Die Vielzahl der bestehenden Atlantis-Lokalisierungen, die alle aber nur jeweils sehr wenigen Kriterien gerecht werden, belegt allerdings schon jetzt, dass bisher kein solcher Ort gefunden wurde. Somit sind Orte, die vielen Atlantis-relevanten Attributen gerecht werden, vermutlich äußerst selten.)

  • Wenn es wenige Orte gibt, die jeweils mehreren, aber disjunkten Kriterien gerecht werden, könnte Platon seine Geschichte aus Versatzstücken komponiert haben.

  • Wenn es nur einen Ort gibt, der vielen Kriterien gerecht wird, kann man von einem ernstzunehmenden Atlantiskandidaten ausgehen.

Grafische Darstellung

Für jedes globale Indiz wird eine Maske erstellt, die über eine Athen-zentrierte Karte gelegt werden kann. Die Maske dunkelt die Gebiete der Karte ab, die nicht der Information zuzuordnen sind. Alle anderen, der Information zuzuordnenden Gebiete, bleiben durch die Maskenlöcher sichtbar. Schließlich werden alle Masken übereinander gelegt. Liegen alle Ausmaskierungen übereinander wird der Ort auf der Karte schwarz dargestellt und Atlantis ist hier mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu finden. Liegen für einen Ort die Löcher aller Masken übereinander (alle Kriterien treffen hier zu), wird er weiß dargestellt (bzw. die darunterliegende Karte bleibt zu 100% sichtbar). Diese Orte werden in der nächsten Hierarchiestufe weiter untersucht. Alle anderen Orte werden je nach Anzahl der zutreffenden Indizien hell- bis dunkelgrau abgebildet.

Ausgangskarte

Als Ausgangskarte dient der ganze Globus in einer Athen-zentrischen Ansicht. Um sicherzustellen, dass Kontinente und Meere in Kombination mit den Masken gleichberechtigt dargestellt werden, sind nur die Grenzlinien zwischen Meer und Land eingezeichnet.

Ausgangskarte - Darstellung der Erde in einer Athen-zentrischen Perspektive. Dargestellt werden die Küstenlinien der heutigen Meere.

Globale Kriterien

Folgende globale Kriterien konnten aus Platons Dialogen abgeleitet werden:

  • Ausschlusskriterium Reichweite > 5000 km um Athen

  • Atlantis lag westlich von Ägypten und Tyrrhenien

  • Atlantis lag in Meernähe

  • In Atlantis gab es Elefanten

  • Atlantis hatte ein sehr hohes und großes Gebirge

  • Atlantis lag von Athen aus gesehen jenseits einer Meerenge zwischen einem kleinen und einem großen Meer

  • Atlantis lag nicht im antiken Europa oder Asien

Ausschlusskriterium Reichweite > 5000 km um Athen

Aus logistischen Gründen ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Heer vor über 2.600 Jahren (Platon sagt sogar 9.000 Jahren vor seiner Zeit) über Ozeane hinweg einen Krieg führen konnte. Alle Kontinente, die von Athen aus nicht über Landwege zu erreichen sind, werden in dieser Untersuchung daher kategorisch ausgeschlossen. Somit fallen Nord- und Südamerika, Antarktika und Australien als potentielles Atlantisgebiet weg.

Während seiner Feldzüge legte Alexander der Große über 20.000 Kilometer zurück, seine größte Distanz zu seinem Heimatgebiet Makedonien betrug um die 4700 km. Da davon ausgegangen werden kann, dass dies für damalige Zeiten ein Extremwert war, werden in dieser Untersuchung in Anlehnung an diesen Wert alle Orte, mit einer Distanz von über 5000 km zu Athen, ebenfalls ausgeschlossen. Sollte Atlantis nicht innerhalb dieses Radius gefunden werden, wäre es möglich den Radius und somit das Suchgebiet schrittweise zu erweitern.

Neben dem Ausschlusskriterium der Reichweite war Athen sicherlich auch nicht Atlantis. Ur-Athen sowie andere Länder (Platon erwähnt auch Ägypten) ließen sich somit auch zu diesem Ausschlussgebiet hinzufügen. Da aber eine exakte Dimensionierung Ur-Athens und Ägyptens mangels genauer Zeitangaben und exakter historischer Grenzverläufe schwerfällt, werden sie als potentielle Atlantisgebiete vorerst zugelassen. Daraus ergibt sich folgende Maske:

Maske Reichweite - Ausmaskiert (schwarz) sind alle Orte, deren Distanz zu Athen mehr als 5000 km beträgt. Die Nicht-Atlantisgebiete Ur-Athen und Ägypten sind mangels verbindlicher Zeitangaben und somit historisch nicht definierbarer Grenzverläufe nicht als Ausschlussgebiet verzeichnet.

Atlantis lag westlich von Ägypten und Tyrrhenien

Platon beschreibt im Timaios unter anderem die Herrschaftsgebiete der Atlanter und deren Grenzländer. Neben dem unbekannten Gebiet der Insel des Atlas nennt er dabei auch Libyen und Europa sowie Ägypten und Tyrrhenien. Interessant ist hierbei die Reihenfolge in denen er die Länder und Gebiete aufzählt. Er beschreibt dieses so:

„[...] von dem Land innerhalb der Meerenge [Säulen des Herakles/Gibraltar] regierten diese Könige über Libyen [Nordafrika westlich von Ägypten] bis zum Nil [Ägypten], und über Europa [heutiges Spanien, Frankreich, Italien, etc.] bis nach Tyrrhenien [in etwa das Gebiet der heutigen Toskana in Italien].“ (Timaios 25b)

Hierbei erwähnt er die nach antiker und heutiger Anschauung im Westen liegende Meerenge [Straße von Gibraltar] zwischen Europa und Libyen zuerst und deutet darauf hin, dass Teile von Europa und Libyen schon unter der Herrschaft der atlantischen Könige lagen. Die beiden weiter östlich gelegenen Gebiete Tyrrhenien und Ägypten gehören jedoch zum atlantischen Grenzgebiet. Atlantis dürfte also tendenziell eher westlich als östlich einer gedachten Verbindungslinie zwischen Tyrrhenien (heutige Toskana) und Ägypten gelegen haben. Denn es erscheint doch unwahrscheinlich, dass sich ein Heer von Osten kommend um Griechenland und Ägypten herum bewegt hat, um dann beide Länder von Westen aus anzugreifen.

Maske Westlich von Ägypten und Griechenland - Als unwahrscheinlich werden alle Gebiete östlich einer Verbindungslinie zwischen Tyrrhenien und Ägypten klassifiziert. Die Maske ist im Gegensatz zu der Reichweite-Maske lediglich transparent grau dargestellt, da es sich hierbei nicht um ein Ausschluss-Kriterium handelt. Atlantis kann also auch östlich dieser Verbindungslinie in dem grauen Bereich gelegen haben, aber es ist unwahrscheinlicher.

Atlantis lag in Meernähe

„Am Meer angrenzend […] lag eine Ebene“ (Kritias 113c)

Die Hauptebene von Atlantis, von der Platon explizit sagt, dass sie am Meer lag, impliziert die unmittelbare Nähe der ganzen Insel des Atlas zu einem Meer oder Ozean. Da sich Atlantis also im oder am Meer, aber nicht in unrealistischen Meerestiefen, inmitten einer großen Landmasse befunden haben dürfte, ist es bevorzugt in der Nähe einer Meeresküste zu suchen. Zu berücksichtigen sind hierbei auch alle Gebiete die früher6 noch nicht durch das Meere überflutet waren, das seit der letzten Eiszeit um ca. 110 m angestiegen ist. Ebenso könnte Atlantis aber auch in einem Gebiet gelegen haben, das heute in einem ausgetrockneten Meer liegt.

Die Maske aller Küstenstreifen mit 200 km Breite (100 km ins Landesinnere und 100 km ins Meer)7 und ehemaliger, jetzt überfluteter Landflächen bis 120 m Tiefe:

Maske Meernähe - Grau maskiert sind alle Gebiete, die sich mehr als 100 km im Landesinneren (ausgehend von der heutigen Küstenlinie) oder mehr als 100 km im Meer befinden (ausgehend von einer 15.000 Jahre alten Küstenlinie, die ca. 110 m unterhalb der heutigen lag ii). Da Platon schreibt, dass Atlantis vor 9.000 Jahren vor Solons Zeit (ca. 600 v. u. Z.) existiert haben soll, insgesamt also vor maximal 11.600 Jahren, ist ein 15.000 Jahre alter Küstenverlauf sicherlich mehr als ausreichend.

In Atlantis gab es Elefanten

„Sogar die Elefanten waren hier besonders zahlreich, denn es war genügend Nahrung vorhanden, nicht nur für all die anderen Tiere, die in den Sümpfen und Seen und Flüssen lebten [...] sondern eben auch für den Elefanten, welcher das größte Tier ist und am meisten frisst. Und was im weiteren jetzt die Erde irgendwo an Wohlgerüchen, sei es von Wurzeln oder von Gras oder von Hölzern oder von Säften, die von Blüten oder Früchten herabträufeln – auch das alles brachte die Insel hervor und ließ es wohl gedeihen“ (Kritias 114e)

„Am Meer angrenzend, etwa in der Mitte der ganzen Insel, lag eine Ebene; man sagt, sie sei die schönste aller Ebenen gewesen und von reichlicher Fruchtbarkeit.“ (Kritias 113c)

„Und weiter: die veredelte Frucht und die trockene Frucht, die uns zur Nahrung dient, und was wir dazu noch als Speise verwenden - alle die verschiedenen Arten, die wir als Hülsenfrüchte bezeichnen -, sodann die baumartige Frucht, die uns Getränk und Speise und Salböl liefert, und jene, die hoch oben auf dem Baume wächst, schwer aufzubewahren ist und uns zum Spiel und zum Vergnügen dient, ferner das, was wir als erwünschtes Linderungsmittel gegen den überfüllten Magen als Nachspeise einem vorsetzen, der vom Essen übersättigt ist - alles das brachte die heilige Insel, die damals noch im Sonnenlichte lag, hervor, schön und zum Staunen und in unerschöpflicher Fülle.“ (Kritias 115a)

Platon beschreibt hier offensichtlich eine Region mit mediterranem bis subtropischem Klima. Für Mammuts, die zur gleichen Ordnung der heute noch lebenden Elefanten gehören und die in der nördlichen Hemisphäre teilweise bis zum zweiten Jahrtausend v. u. Z. lebten, dürften diese klimatischen Bedingungen nicht adäquat gewesen sein. Es kann also davon ausgegangen werden, dass mit den in Platons Dialogen genannten Elefanten keine Mammuts gemeint sind.

Andererseits ist eine Verbreitung fellloser Elefanten nördlich des Mittelmeeres unwahrscheinlich, zumindest dürften hier die Populationen wegen der klimatischen Bedingungen und der natürlichen Barriere des Mittelmeeres nicht sehr groß gewesen sein. Nachweislich ist der europäische Waldelefant, Elephas (Palaeloxodon) antiquus, schon vor 33.000 Jahren v.u.Z. in den Gebieten nördlich des Mittelmeeres ausgestorben, so dass dieser Lebensraum von unserer Betrachtung ausgeschlossen werden kann. Es ist allerdings bekannt, dass Zwergelefanten z.B. auf Malta lebten.

Hanno der Seefahrer (470 v.u.Z), Plinius der Ältere (23 n.u.Z.) und andere Quellen zeugen hingegen von der Anwesenheit von Elefanten im nordwestlichen Afrika (Maghreb) noch bis ins 7. Jahrhundert. Heute gibt es im Maghreb allerdings keine natürlichen Populationen mehr. Es ist ebenfalls bekannt, dass Elefanten von Syrien über Mesopotamien bis nach Indien und Indonesien verbreitet waren.

Für die Erstellung einer Maske scheint somit eine Trennlinie in West-Ost-Richtung durch das Mittelmeer sinnvoll. Somit werden alle nördlich davon gelegenen Regionen ausgeschlossen. Im Osten sollte diese Grenze weiter nördlich verlaufen, da dort die natürliche Barriere des Mittelmeeres wegfällt.

Maske Elefanten - Von Sizilien und Malta ist bekannt, dass dort einst Zwergelefanten lebten, die wahrscheinlich zur Zeit eines niedrigen Meeresspiegels über eine Landbrücke von Afrika aus eingewandert waren. Weiter nördlich nimmt die Wahrscheinlichkeit für felllose Elefanten aber ab, da das Mittelmeer und klimatische Bedingungen eine natürliche Barriere darstellt.

Atlantis hatte ein sehr hohes und großes Gebirge

„[...] es war eine flache und gleichmäßige Ebene [...] die sich [...] vom Meere aufwärts [...] ausdehnte. Dieser Teil der ganzen Insel lag gegen Süden zu, gegen den Nordwind abgeschirmt. Von den Bergen, die ihn umgaben, rühmte man seinerzeit, dass sie an Anzahl und Größe und Schönheit alle heutigen übertroffen hätten [...]“ (Kritias 118b)

Platon beschreibt hier ein großes und hohes Gebirge, das relativ nah zu einem Meer gelegen haben muss. Ebenfalls muss es sich um ein Gebirge handeln, das aus vielen Bergen besteht. Einzeln stehende Berge wie z.B. der Ätna (3.323 m, Sizilien) oder der Pico del Teide (3.718 m, Teneriffa) fallen damit durchs Raster. Eine Liste der zehn höchsten Gebirge, innerhalb des 5000-km-Kreises um Athen, die gleichzeitig die Bedingung erfüllen in relativer Nähe zu einem Meer zu liegen, sieht folgendermaßen aus:

Elburs, Zagros 5671 m
Kaukasus 5642 m
Alpen 4809 m
Äthiopisches Hochland 4545 m
Taurusgebirge 4400 m
Atlas 4165 m
Pontisches Gebirge 3937 m
Sierra Nevada 3482 m
Pyrenäen 3404 m
Pirin-Gebirge, Rila, Rhodopen 2914 m

Wird die Information hinzugenommen, dass das Gebirge die direkt am Meer gelegene Ebene vor Nordwind geschützt haben soll, so fallen in logischer Konsequenz auch alle Gebirge weg, die am Südufer eines Meeres liegen. Denn eine Ebene kann entweder nur ein Meer oder ein hohes, vor Wind schützendes Gebirge im Norden aufweisen, nicht beides. Somit fallen der Elburs, der östliche Teil des Atlas und das Pontische Gebirge weg.

Maske Gebirge - Von links nach rechts: westlicher Atlas, Sierra Nevada, Pyrenäen, Alpen, Pirin, Taurus, Kaukasus (oben), äthiopisches Hochland (unten) und das Zagros-Gebirge.

Atlantis lag von Athen aus gesehen jenseits einer Meerenge zwischen einem kleinen und einem großen Meer

„[...] denn vor der Mündung, die ihr in eurer Sprache die Säulen des Herakles nennt, lag eine Insel, und diese Insel war größer als Libyen und Kleinasien zusammen. [...] Denn alles, was innerhalb der erwähnten Mündung liegt, erscheint wie eine Hafenbucht mit einer engen Einfahrt; jenes aber kann man wohl wirklich als ein Meer und das darum herum liegende Land in Tat und Wahrheit und in vollem Sinne des Wortes als ein Festland bezeichnen.“ (Timaios 24e)

„Vor allem wollen wir zuerst daran erinnern, dass es im ganzen neuntausend Jahre her sind, seitdem, wie man erzählt hat, der Krieg entstanden ist zwischen den Menschen, die außerhalb der Säulen des Herakles, und allen denen, die innerhalb von ihnen wohnten [...].“ (Kritias 108e)

„Diese alle und auch ihre Nachkommen wohnten also hier viele Menschenalter lang und regierten auch über zahlreiche andere Inseln, und zudem dehnten sie, wie ich schon vorher erwähnt habe, ihre Herrschaft auf die hierwärts innerhalb [der Säulen des Herakles] Wohnenden aus, bis nach Ägypten und Tyrrhenien.“ (Kritias 114c)

Platon beschreibt eine Verbindung zweier Meere. Innerhalb des einen, der Hafenbucht, befanden sich die von Atlantis angegriffenen Gebiete Ägypten und Tyrrhenien. Also kann davon ausgegangen werden, dass er mit Hafenbucht das Mittelmeer meint und den Begriff Hafenbucht lediglich verwendete, um das Größenverhältnis zwischen Mittelmeer und dem anderen Meer herauszustellen.

In dem betrachteten 5000-km-Radius um Athen gibt es vier Meerengen, die verschiedene Meere miteinander verbinden: die Straße von Kertsch (Schwarzes Meer – Asowsches Meer), den Bosporus (Schwarzes Meer – Marmarameer), die Dardanellen (Marmarameer – Mittelmeer) und die Straße von Gibraltar (Mittelmeer – Atlantik). Somit bleibt in logischer Konsequenz als Verbindung zwischen dem kleinen Mittelmeer und einem großen Meer nur die Straße von Gibraltar (die Säulen des Herakles) übrig, die das Mittelmeer mit dem Atlantik verbindet.

Natürlich sagt Platon auch explizit, dass die Atlanter von jenseits der Säulen des Herakles aus dem Meer des Atlas ( ̓Ατλαντικου̂ πελάγους) kamen. Wie wir gesehen haben ist dieses offenbar auch indirekt aus seinen Beschreibungen abzuleiten, ohne für diese Herleitung die Ortsnamen Säulen des Herakles und Meer des Atlas heranzuziehen. Daraus lässt sich zweifelsfrei schlussfolgern, dass er mit Säulen des Herakles Gibraltar und mit Meer des Atlas den Atlantik meint, von denen ja auch bekannt ist, dass sie in der Antike so genannt wurden.

Der gesamte Atlantik sowie sein Küstenbereich darf somit als potentielles Ursprungsgebiet der Atlanter angenommen werden.

Maske Meerenge - Nur der Atlantik erfüllt die Bedingungen im Verhältnis zum kleinen Mittelmeer „groß“ und mit diesem durch eine Meerenge verbunden zu sein. Platon sagt auch explizit, dass die Atlanter jenseits der Säulen des Herakles (Gibraltar) aus dem Meer des Atlas (Atlantik) kamen.

Atlantis lag nicht im antiken Europa oder Asien

„Die Aufzeichnungen berichten nämlich, wie eure Stadt [Ur-Athen] einst einer gewaltigen Macht das Ende bereitet hat, als diese vom Atlantischen Meer aufgebrochen war und in ihrem Übermut gegen ganz Europa und Asien zugleich heranzog.“ (Timaios 24e)

Antike Weltkarte - Vereinfachte Darstellung einer antiken griechischen Weltkarte nach Herodot.

Die Welt war vereinfacht gesehen, aus damaliger antiker Sicht, eine dreigeteilte Scheibe, die vom Okeanos umflossen wurde. Diese drei Teile waren Europa, Asien und Libyen, die alle rund um das Zentrum, das Mittelmeer, angeordnet lagen. Wenn Platon schreibt, dass Atlantis ganz Europa und Asien zugleich angegriffen hat, legt dieses den Schluss nahe, dass Atlantis nicht in Europa oder Asien lag. Demzufolge dürfte es sich in Libyen oder in einem Meer (Atlantik, Mittelmeer, Indischen Ozean, etc.) befunden haben.

Maske Europa und Asien - Atlantis dürfte sich wahrscheinlich eher in Afrika, dem antiken Libyen, oder einem Meer oder Ozean befunden haben.

Ergebnis der globalen Indizien

Werden alle globalen Masken kombiniert, ergibt sich folgendes Bild:

Kombination aller globaler Masken - Wahrscheinlichstes Gebiet für Atlantis, nach Auswertung der globalen Indizien, ist eine Region südlich des Hohen Atlas im heutigen Marokko. Nur für dieses Gebiet treffen alle globalen Indizien zu.

Indizienhäufung

Die meisten Gebiete werden grau bis dunkelgrau oder schwarz dargestellt. Am schlechtesten, weil schwarz oder fast schwarz, schneiden alle Gebiete im Nordosten von Athen ab.

Das Gebiet mit der höchsten Wahrscheinlichkeit (alle globalen Indizien treffen zu) liegt an der afrikanischen Nordwestküste, innerhalb des heutigen Marokko. Es befindet sich etwa an dem Punkt, an dem der Hohe Atlas auf den Atlantik stößt. Die gesuchte Insel des Atlas muss demzufolge die südlich8 des Hohen Atlas gelegene Souss-Ebene sein, oder sich in der Nähe oder (teilweise) innerhalb dieser befunden haben.

Auffällig ist, dass Atlas (der Name des Königs von Atlantis) und Atlantik (bei Platon  ̓Ατλαντικου̂ πελάγους = Meer des Atlas) ebenfalls von Platon erwähnte namentliche Indizien sind, die aber bewusst nicht als global klassifiziert wurden, um einen eventuellen Kreisschluss zu vermeiden. Denn es wäre möglich, dass dieses mehr als 2300 Jahre alte Rätsel im Laufe der Geschichte direkt oder indirekt dazu beigetragen hat, genau diesen Gebieten (Atlas-Gebirge und Meer) fälschlicherweise die Namen Atlas bzw. Atlantik zu geben. An dieser Stelle des Verfahrens können wir also konstatieren, dass die von Platon verwendeten Namen scheinbar auch ein Bezug zu dem Gebiet des Atlasgebirges und des Atlantiks besitzen.

Südmarokko

Südlich des Hohen Atlas beginnt bei Agadir das Gebiet der Souss-Massa-Draa-Region. Heute besteht diese Region anfänglich aus einer ca. 25 km breiten Ebene, die Souss-Ebene, die ab Agadir in südlicher Richtung eine Ausdehnung von ca. 72 km besitzt und parallel zum Atlantik und Anti-Atlas verläuft. Ab Tiznit wird diese Ebene dann hügeliger, bis sie schließlich von dem auf den Atlantik treffenden Anti-Atlas abgegrenzt wird. Ab Tan-Tan wird sie dann wieder zu einer völlig planen und breiten Küstenebene, die schon der Sahara zuzurechnen ist. Sie besteht hier überwiegend aus riesigen Sandsteinplateaus, die mit Dünen überzogen sind und in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen von Wadis zerschnitten werden.

In den südlich des Hohen Atlas gelegenen Sahara-Randgebieten herrscht heute ein extrem trocken-heißes Wüstenklima. Es fallen nur selten Niederschläge (< 200 mm im Jahr), sodass Ackerbau lediglich in Oasen mit Bewässerung betrieben werden kann. Die Region ist, wie auch viele andere Orte der Welt, der Desertifikation, d.h. der Wüstenbildung ausgesetzt. Es ist hingegen bekannt, dass dieser südliche Teil Marokkos in der (Vor-)Antike noch wesentlich niederschlagsreicher und daher auch fruchtbarer war. Während der sogenannten Grünen Sahara Periode (auch Neolithic Subpluvial oder Holocene Wet Phase, ca. 8,500 – 1,200 v.u.Z.), war der Souss und große Teile der Sahara eine sehr fruchtbare Region, die sich hervorragend für Landwirtschaft eignete haben dürfte. Trotz fortschreitender Desertifikation zählt die Souss-Ebene auch heute noch zu den fruchtbarsten Gebieten Marokkos, da sie bis in den Sommer durch Flussläufe aus dem Hohen Atlas (insbesondere dem Oued Souss) bewässert wird, bevor wieder die regenreiche Zeit des Jahres beginnt.

Regionale Indizien

In der nächsten Hierarchiestufe wird nun das einzige Gebiete, auf das alle globalen Kriterien zutreffen, hinsichtlich der regionalen Kriterien untersucht. Um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen wird hier allerdings nur auf einige regionale Kriterien eingegangen.

  • Insel

  • Atlas, Atlantik und die Säulen des Herakles

  • Ebene

  • Rot-schwarz-weißes Grundgestein

  • Rot-schwarz-weiße Architektur

  • Inselgröße

  • Bewässerung

  • Landesgrenze

  • Bewässerungsgräben

  • Überdachte Docks aus rot-schwarz-weißem Gestein

  • Früchte

  • Andere Inseln & Gegenüberliegendes Festland

  • Nordwind

  • Erzvorkommen

  • Gold

  • Silber

  • Zinn

  • Eisen

  • Vulkanismus

  • Pferde

  • Jenseits der Säulen des Herakles

  • Gadeiros

  • Geologische Bedingung für Ringstrukturen

  • Wasserläufe aus den Bergen

  • Graben am Meer

  • Wohlriechende Wurzeln

  • Kulturelle Indizien

  • Dunkelblaue Gewänder

  • Stieropfer

  • Konzentrische Kreise

  • Gerade und ungerade Zahlen

Insel

"[...] dort lag eine Insel [Atlantis] [...]" (Timaios 24e)

Regionale BedingungAtlantis sollte eine Insel sein.

Es ist bekannt, dass das ganze nordwestliche Afrika (Maghreb) von arabischen Geographen und Kaufleuten mindestens seit dem Mittelalter Insel des Westens (Djesirat el Maghreb) genannt wird:

„Der Name Atlas, heute nirgends in Afrika in Gebrauch, stammt aus dem Altertum. Das Gebirge erschien den Schiffern des westlichen Ozeans als massige hohe Säule, welche die Himmelsfeste trug, und war schon bei Homer und Herodot die westlichste Grenze der den Alten bekannten Erde. Schon die Sagen von Perseus und Herakles knüpfen an ihn an, und den arabischen Geographen erschien der gebirgige Nordwestvorsprung Afrikas als eine durch das Mittelmeer, den Atlantischen Ozean und die Wüste von der übrigen Welt abgeschlossene Insel des äußersten Westens.“ (Meyer Enzyklopädie, 1897 – Stichwort: Atlas)

Vermutlich wurde die Bezeichnung Insel für den Maghreb schon bei der Entstehung von Handelsbeziehungen, die über die natürlichen Grenzen des Mittleren, Hohen und Anti-Atlas sowie über die Sahara oder den Seeweg hinweg verliefen geprägt und könnte somit Jahrtausende alt sein. Sofern man „isoliertes Gebiet“, im Sinne der arabischen Geologen und Kaufleute, als Insel interpretiert, trifft diese Bezeichnung insbesondere auch auf die Souss-Ebene zu, da sie innerhalb der Insel des Westens nochmals durch besonders hohe Gebirgszüge, den Hohen und den Anti-Atlas, eingekreist liegt. Die Gebirge des Hohen Atlas und des Anti-Atlas sind das Produkt der Kontinentaldrift zwischen der afrikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte. Diese beiden Gebirge werden durch das sehr lange Souss- und Dades-Tal voneinander getrennt. Zwischen ihnen verläuft die sogenannte Vorafrikanische Furche (Southern Atlasic Fault), eine heute noch aktive Subduktionszone. Die Souss-Ebene liegt somit im Zentrum der um sie herum stattfindenden gebirgsbildenden Aktivität und stellt den geologisch aktiven Kernraum des Atlasgebirges dar. Die von besonders hohen Gebirgen abgeschottet liegende Souss-Ebene könnte somit, nach dem Verständnis der arabischen Geologen, sogar als eine Insel innerhalb der Insel des Westens bezeichnet werden.

Es gibt auch Hinweise, dass in verschiedenen Amazigh-Sprachen fruchtbare grüne Täler innerhalb von kargen Gebirgen als Insel bezeichnet werden, also ganz analog zu Oasen in Wüsten, die ja bekanntlich sogar in unserem Sprachraum Wüsentinseln genannt werden. Überhaupt scheint der Begriff Insel in Amazigh-Sprachen sehr variabel eingesetzt zu werden, so werden z.B. auch einzeln stehende Felsen als Inseln oder Inselberge bezeichnet.

Auch ptolemäische Koordinaten verzeichnen exakt in der Region um den Souss mehrere Inseln, die bisher aber keiner echten Insel zugeordnet werden konnten. So soll laut Ptolemäus dort die Hera-Insel, Kerne oder die Autolala-Insel9 gelegen haben. Möglicherweise beziehen sich diese Namen also nicht auf 'echte' Inseln, sondern eben auf isolierte Gebiete, wie die Insel der Souss-Ebene.


Isolierte Position der „Souss-Insel“ - Das Gebiet der Souss-Ebene ist durch die sehr hohen Gebirgszüge des Hohen und Anti-Atlas, sowie dem Atlantik und der Sahara das von Osten aus am schwierigsten zu erreichende Gebiet.

Das der Maghreb Insel genannt wird ist natürlich alleine kein Beweis dafür, dass er auch in der Antike oder Vor-Antike so genannt wurde. Die Tatsache aber, dass dieses heute der Fall ist und diese Bezeichnung auch schon von Ägyptern, Griechen und vermutlich Amazigh für isolierte Gebiete oder fruchtbare Täler/Flussdeltas verwendet wurde, lässt vermuten, dass die Verwendung des Begriffs Insel für solche Gebiete sehr alt sein dürfte.

Bedingungserfüllung → Der Maghreb (und somit auch der Souss) wird heute (noch) Insel genannt. Der Souss könnte möglicherweise auch eigenständig als Insel bezeichnet worden sein. Möglicherweise war er wegen seiner besonders isolierten Lage sogar der Ursprung des Begriffs „Insel des Westens“.

Von Bergen umringte Ebene

„Und nun muss ich zu erzählen versuchen, wie das übrige Land von Natur beschaffen war und welcher Art seine Einrichtungen waren. Zunächst einmal soll das ganze Land sehr hoch gelegen und vom Meer steil aufgestiegen sein; nur um die Stadt herum sei eine große Ebene gewesen und habe diese rings umgeben. Sie war aber ihrerseits wieder rundum von Bergen umkränzt, die sich bis zum Meer erstreckten; es war eine flache und gleichmäßige Ebene, als Ganzes von länglicher Form, die sich in der Länge auf beiden Seiten über dreitausend Stadien, in der Breite, vom Meere aufwärts, über zweitausend Stadien ausdehnte. Dieser Teil der ganzen Insel lag gegen Süden zu, gegen den Nordwind abgeschirmt.“ (Kritias. 118a)

Regionale Bedingung → Die Hauptebene der Insel des Atlas sollte von Bergen umgeben sein, die sich bis zum Meer erstrecken.

Die Beschreibung Platons erinnert hier fragmentarisch an einen Periplus (auch Periplous; griechisch περίπλους), das ein Begriff der antiken Nautik ist und zumeist mit „das Umsegeln“, „das zu Umsegelnde“ oder „Küstenfahrt“ übersetzt wird. Ein Periplus diente in der Antike als Orientierungshilfe für Seeleute, die fremde Gewässer befuhren. Da man in der Regel die Meere nur entlang der Küste befuhr, wurden in ihm alle markanten Punkte des Küstenstreifens aus der Perspektive eines Schiffes beschrieben. Hier insbesondere Häfen, Flussmündungen, Buchten, Gebirge sowie die ungefähre Entfernung zwischen ihnen. Insbesondere wurden aber auch festgehalten in welcher Himmelsrichtung die Küste verlief.

Seefahrer, die die marokkanische Küste in Richtung Süden entlang segelten und den Berührungspunkt zwischen Hohen Atlas und Atlantik bei Kap Ghir (bei Ptolemäus wurde dieses Kap noch Kap Herkules genannt) passierten, dürften durchaus den Eindruck gehabt haben, dass das Land anfangs steil aus dem Meer aufsteigt, denn hier erreichen die Ausläufer des Hohen Atlas in unmittelbarer Meernähe Höhen bis über 1200 m. Sofern man Platon Glauben schenkt, muss dieser Punkt nördlich einer flachen und gleichmäßigen Ebene gelegen haben, die sich weiter im Süden erstreckte. Ganz analog zu Platons Beschreibung folgt nach den hohen Ausläufern des Atlas die völlig plane Souss-Ebene. Auch besitzt sie eine längliche Form, deren Küstenseite länger ist als die landeinwärts gerichtete Seit. Zudem ist sie rundum von Gebirgen umgeben, die sich bis zum Meer erstrecken. Die Beschreibung Platons passt also sehr gut zu den Gegebenheiten vor Ort. Lediglich die Größenangabe von 2000 x 3000 Stadien scheint überdimensioniert.

Agadir und die Souss-Ebene - Blick von einem Ausläufer des Hohen Atlas über Agadir und die südlich davon beginnende, völlig plane Souss-Ebene.


Die Souss-Ebene - Die vom Hohen Atlas und Anti-Atlas umgebene Souss-Ebene.

Bedingungserfüllung → Die Souss-Ebene ist von Bergen umgeben, die sich bis zum Meer erstrecken

Rot-schwarz-weißes Grundgestein

"Diese Insel und die Ringe und die Brücke, deren Breite eine Plethre betrug, umgaben sie von beiden Seiten mit einer steinernen Mauer und errichteten auf den Brücken Türme und Tore, überall dort, wo vom Meer her die Durchgänge waren. Den Stein dazu brachen sie ringsum von den Abhängen der Insel, die in der Mitte lag, und von der äußeren und inneren Seite der Ringgürtel; zum Teil waren diese Steine weiß, zum Teil schwarz und zum Teil auch rot." (Kritias 116a, b)

Regionale BedingungEs sollte Rot-schwarz-weißes Grundgestein geben.

Diese Kombination von drei verschiedenen Gesteinsfarben, die, wie Platon vermuten lässt, räumlich unmittelbar beieinander liegen (Platon erwähnt im weiteren Kontext auch, dass die Atlanter überdachte Docks in dieses farbige Gestein einarbeiteten, es muss sich daher um solides Grundgestein handeln, denn in losem Material wäre dieses nicht möglich), ist sicherlich einer der aussagekräftigsten regionalen Anhaltspunkte. Vermutlich ist diese Farb-Kombination sehr selten an einem Ort vereint zu finden, zumindest wenn von klar differenzierbaren Gesteins-Farben ausgegangen wird. Da dieses Gestein in Meernähe abgebaut wurde, sollte dieses auch heute noch in Meernähe zu finden sein.

Erstaunlich ist es, dass diese Farbkombination mit einer klaren Differenzierbarkeit der Farbtöne Schwarz, Rot und Weiß in unmittelbarer Meernähe an verschiedenen Stellen der Souss-Ebene zu finden ist. Einer dieser Orte liegt an der Atlantikküste bei Aglou Plage. Hier beginnt ein niedriger Gebirgszug, der parallel zur Küste verläuft und in dem an mehreren Stellen dieser dreifarbige Stein abgebaut wird.

Ein anderer Ort ist etwas südlich des Kap Ghir zu finden. Auf diesen Ort treffen auch andere signifikante regionale Kriterien zu (siehe nächsten Abschnitt).


Rot-schwarz-weißes Gestein - Steine aus einem Steinbruch bei Aglou Plage. Gut erkennbar sind die drei Farben Schwarz, Rot und Weiß. Alle drei Gesteine sind Calcite mit verschiedenen Einschlüssen (Hämatit, Kohlenstoff).

Bedingungserfüllung → In der Souss-Ebene gibt es rot-schwarz-weißes Grundgestein..

Überdachte Docks aus rot-schwarz-weißem Gestein

[...] zum Teil waren diese Steine weiß, zum Teil schwarz und zum Teil auch rot. Und indem sie diese Steine herausbrachen, hoben sie gleichzeitig an der Innenseite zwei tiefe Becken als Docks für die Schiffe aus, die vom Felsen selbst überdacht waren. (Kritias 116a, b)

Regionale Bedingung → Es sollte überdachte Docks im rot-schwarz-weißen Grundgestein geben.

Tatsächlich befindet sich in der Nähe von Kap Ghir eine sicherlich weltweit einzigartige geomorphologische Struktur direkt am Meer, die sehr präzise auf Platons Beschreibung passt. Hier finden sich mindestens drei Buchten, die jeweils mehrere Garagen-artige Vertiefungen besitzen. Diese „Höhlen“, die auch heute noch als Verwahrungsort für Fischerboote dienen (Docks), haben jeweils eine Höhe und Breite von ca. 4-6 Metern und sind bis zu 20 Metern tief. Das Grundgestein besteht hier aus einer ca. 12 Meter dicken, waagerecht liegenden roten Deckschicht mit Einschlüssen von faust- bis kopfgroßen schwarzen Gestein. Darunter befindet sich eine fast senkrecht stehende weiße Schicht. Am Boden der Höhlen sind wiederum schwarze Steine zu finden. Es handelt sich also tatsächlich um die sicherlich sehr seltene Kombination aus rot, schwarz und weißem Grundgestein. Zurzeit ist nicht sicher, ob es sich um eine natürliche Struktur handelt oder um sogenannte Naturarchitektur. Da es sich um relativ leicht verwitternden Kalkstein handelt und die Struktur direkt der Atlantikbrandung ausgesetzt ist, könnten alle offenliegenden Bearbeitungsspuren erodiert sein (Zur Veranschaulichung: Bei einer angenommenen Erosion von 1mm pro Jahr wären in 1000 Jahren 1 Meter und in 5000 Jahren 5 Meter erodiert).

Steinerne Docks - Diese einmalige geologische Struktur besteht aus mehreren Garagen-artig angeordneten Höhlen im rot-schwarz-weißen Grundgestein. Diese Höhlen werden auch heute noch als Docks für Fischerboote verwendet.

Bedingungserfüllung → Es gibt Docks, die von rot-schwarz-weißem Gestein überdacht sind.

Gebäude aus rot-schwarz-weißen Steinen

"[...] zum Teil waren diese Steine weiß, zum Teil schwarz und zum Teil auch rot. [...] Ihre Bauten waren zum Teil einfarbig; bei den anderen wechselten sie mit den Steinsorten ab und gestalteten sie in bunten Farben, aus lauter Spielerei, wobei sie ihnen eine natürliche Anmut verliehen." (Kritias 116a, b)

Regionale BedingungEs sollte Gebäude aus ein- und verschiedenfarbigen Gestein (insbesondere rot-schwarz-weiß) geben.

Tatsächlich ist Verwendung von rot-schwarz-weißem Naturstein als architektonisches Zierelement heute Praxis im Souss (hier insbesondere in Agadir) und dürfte auf einer alten Tradition beruhen. Heute können die Muster aus diesen farbigen Gesteinen, die stilistisch eindeutig der Amazigh Kultur zuzusprechen sind, sogar aus einem Katalog im Baumarkt in Agadir bestellt werden. Die spezielle 'luftige' Mauertechnik lässt die Muster teilweise wie 'gestrickt' oder 'gewebt' aussehen. Dieses ist daher besonders interessant, da Plato im griechischen Original tatsächlich mit dem Verb ὑφαίνω = weben darauf hinweist, dass die farbigen Muster auf spielerische Weise gewebt (und nicht etwa nur gemauert) wurden.

Neu und ältere Gebäude in Agadir - Die Gebäude sind aus einfarbigen oder rot-schwarz-weißem Natursteinen aus dem Souss hergestellt. Diese Praxis findet sich auch im Hohen und Anti-Atlas, hier werden aber zumeist andere Gesteinsfarben verwendet, wie sie in der jeweiligen näheren Umgebung gefunden werden.

Natürlich ist die Verwendung von farbigen Gestein in neuzeitlichen Gebäuden nur ein Beweis, dass es die von Platon beschriebene rot-schwarz-weiße Architektur heute gibt, und bestenfalls ein Indiz dafür, dass dieses auf einer alten Tradition beruhen könnte. Der Beweis, dass die rot-schwarz-weißen Natursteine tatsächlich auch in wesentlich älteren (prähistorischen) Gebäuden verwendet wurden, wird weiter unten unter Lokale Kriterien erbracht.

Bedingungserfüllung (heute) → Es gibt Gebäude aus farbigen Natursteinen (insbesondere rot-schwarz-weiß).

Nordwind

„Dieser Teil [die Ebene] der ganzen Insel lag gegen Süden zu, gegen den Nordwind abgeschirmt.“ (Kritias 118b)

Regionale Bedingung → Es sollte Nordwind geben.

Regionale Bedingung → Die Ebene sollte Nordwind-geschützt liegen.

Nordwind ist als Kriterium natürlich nur bedingt verwendbar, denn letztendlich gibt es ihn zumindest temporär überall. Neben einem jahreszeitlichen Wechsel von relativ konstanten Windrichtungen kann es zudem auch im Laufe von Jahrhunderten oder Jahrtausenden zu generellen Änderungen der Wetterlage und der Hauptwindrichtung gekommen sein. Ein Gebiet, das heute vorwiegend Nordwinden ausgesetzt ist, muss nicht unbedingt vor 2000 Jahren den gleichen Windverhältnissen ausgesetzt gewesen sein. Ein grundlegender Klimawandel mit veränderter Hauptwindrichtung kann z.B. im Laufe des Wechsels von einer Eiszeit zu einer Warmzeit stattfinden.

Man kann aber davon ausgehen, dass das Azorenhoch, das zum Großteil die Wetterlage der Küstenregionen Marokkos bestimmt, während der letzten 11.600 Jahre konstant bestanden haben dürfte. Das Azorenhoch ist ein im Uhrzeigersinn (Corioliskraft) drehendes Hochdruckgebiet, mit vorherrschender Lage über den Azoren. Da die Azoren westlich von Marokko liegen, erreichen die östlichen Ausläufer des Hochs die marokkanische Atlantikküste und sind die Ursache für eine überwiegend nördliche Windrichtung. Dieses Phänomen ist auch unter Surfern bekannt, die sich diese beständigen nördlichen Winde zu Nutze machen.

Weiterhin scheint der von Platon erwähnte Nordwind eine unangenehme Eigenschaft mit sich gebracht zu haben. Andernfalls würde die geschützte Lage der Ebene wohl auch nicht als Vorteil Erwähnung gefunden haben. Ungünstige Eigenschaften, die ein Wind besitzen kann, sind sicherlich niedrige oder hohe Temperaturen, hohe Windstärken oder der Transport von Sand. Hierbei dürfte kalter Nordwind sicherlich nur auf der nördlichen Hemisphäre anzutreffen sein, heißer hingegen nur auf der südlichen. Zu Zeiten, als Seefahrer noch nicht gegen den Wind kreuzen konnten, dürfte beständiger Wind aus einer Richtung sehr nachteilig gewesen sein. Antike Seefahrer, die nur mit dem Wind segeln konnten, und die marokkanische Küste in Richtung Süden heruntergefahren waren, steckten quasi in einer Sackgasse, da sie sehr lange auf günstige Winde warten mussten um wieder zurück segeln zu können. Ähnliche Schwierigkeiten schildert z.B. auch Odysseus den Phäaken 10.

Für die Atlantikküste Nordmarokkos gilt, dass sie relativ kaltem und beständigem Nordwind ausgesetzt ist. Der ganze Süden Marokkos ist hingegen durch den Hohen Atlas gegen diesen Wind weitgehendst geschützt.

Das Phänomen des beständigen Nordwinds lässt sich heute gut am Kap Ghir, etwas nordwestlich von Agadir beobachten. Hier trifft der Hohe Atlas auf den Atlantik, der an dieser Stelle fast ununterbrochen durch einen starken Nordwind aufgepeitscht wird. Wird das Kap Ghir in Richtung Südost nach Agadir umsegelt, verschwindet dieser Wind, durch den Hohen Atlas geblockt, nach ein paar Kilometern völlig. Die Souss-Massa Ebene liegt somit vor kalten Nordwind-geschützt.

Strand bei Kap Ghir - Am Kap Ghir weht fast 356 Tage im Jahr Nordwind. Dieser beständige Wind lagert Sand im Windschatten der Pflanzen ab (Blickrichtung Nord).

Die von Platon gemachte Aussage, über die südlich von Bergen gelegene und Nordwind-geschützte Ebene, stimmt demzufolge ebenfalls perfekt mit den in der Region vorgefundenen Verhältnissen überein.

Azorenhoch - Das Azorenhoch dreht sich im Uhrzeigersinn. Hierdurch ist die Küste Marokkos meistens einem frischen, kühlen Nordwind ausgesetzt.

Nordwind-Schutz - Die Souss-Ebene liegt durch den Hohen Atlas vor Nordwind geschützt.

Bedingungserfüllung → Es gibt beständigen Nordwind.

Bedingungserfüllung → Die Ebene liegt Nordwind-geschützt.

Gadeiros

„Ihnen allen gab er Namen; dem ältesten und Könige aber jenen, von dem denn auch die ganze Insel und das Meer seine Bezeichnung hat; es wurde nämlich das atlantische genannt, weil der erste, der damals als König regierte, Atlas hieß. Sein Zwillingsbruder, der nach ihm geboren war, erhielt als Anteil die Anhöhen der Insel nach den Säulen des Herakles hin, gegen das heutige Gebiet von Gadeira, das nach dem damaligen Ortsnamen so heißt. Ihn nannte Poseidon auf Griechisch Eumelos, in der Landessprache aber Gadeiros, was denn wohl auch dem Gebiet den Namen gegeben hat.“ (Kritias 114b)

Regionale Bedingung → Es sollte eine Region mit dem Namen Gadeiros gegeben haben.

Eine linguistische Verwandtschaft könnte zwischen den von Platon erwähnten Namen Gadeiros und dem Tamazight-Wort Agadir bestehen. Die Etymologie von Agadir führt über das Punische/Phönizische auf die semitische Wurzel g-d-r zurück, das Um-/ Einfriedung, Mauer, Zaun, Hindernis, Gitter/Gatter (Kossmann, TBP), (Vycichl, 1952) bedeutet.11,12 Punier, Phönizier oder Amazighvölker dürften also auch die Namensgeber der heutigen Stadt Agadir sein. Der Stadtname Agadir lässt sich allerdings nur bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Damals gab es ein Fischerdorf Agadir el-arba, das im Jahre 1505 von portugiesischen Seefahrern zu einer Festung (Santa Cruz) ausgebaut wurde. Wie alt die ursprüngliche Siedlung Agadirs ist, liegt aber im Dunklen. Antike Quellen weisen lediglich darauf hin, dass es bereits eine karthagische Handelsstation Rusadir bzw. später einen römischen Hafen Portus Risadir gegeben haben soll. Ob diese aber exakt beim heutigen Agadir lagen, ist ebenso ungewiss wie der Name, den die Einheimischen damals für Rusadir bzw. Risadir verwendeten.

Dass das Tamazight-Wort Agadir zu dem von Platon verwendeten griechischen bzw. hellenisierten Begriff Gadeiros in einer etymologischen Beziehung stehen kann, ist offensichtlich:

Agadir vs. Gadeiros

Präfix
Mask. Sg.
Wortstamm Suffix
Mask. Sg.
Tamazight A G A D I R
Griechisch G A D EI R OS

Die Bedeutung des Präfix A- ist durch die Nominalmorphologie der Tamazightsprachen zu erklären. Das Tamazight Substantiv unterscheidet die beiden Genera Maskulinum und Femininum. Das maskuline Substantiv beginnt im Singular in der Regel mit einem der Vokale A-, I- oder U-. A-Gadir könnte also identisch mit Platons Gadeir-os sein und dementsprechend einfach nur Der Gadir bedeuten.

Die von Platon erwähnte Übersetzung des atlantischen Namens Gadeir(-os) in den griechischen Namen Εὔμηλος = Eumêlos = Der an Schafen Reiche, sowie Platons Andeutung, dass es auch ein Gebiet Gadeira gab (demzufolge also ein schafreiches Gebiet), gibt in Hinblick auf die Souss-Massa Ebene durchaus einen Sinn. Denn auch heute noch lebt die einfache Landbevölkerung hier in erster Linie von Schaf- und Ziegenhaltung. Auch die semitische Bedeutung von g-d-r = Umfriedung, Gatter scheint somit auf die Souss-Ebene in doppelter Weise zuzutreffen, denn sie ist ein schafreiches, durch hohe Gebirgszüge umfriedetes Gebiet.

Für heute können wir also festhalten, dass es ein Gebiet im Souss gibt, das dem Namen Gadeiros entspricht. Seit wann diese Bezeichnung für das Gebiet um Agadir verwendet wurde ist allerdings ungewiss.

Platon beschreibt allerdings nicht explizit, dass Gadeira in der Hauptebene von Atlantis lag. Es kann also durchaus auch weiter entfernt zu dieser gelegen haben. Alternativ sei hier daher erwähnt, dass mit Gadeira natürlich auch die heutige Stadt Cádiz in Südspanien gemeint gewesen sein kann, insbesondere da wir wissen, dass Cádiz in der Antike tatsächlich Gadeira (die Etymologie ist hier ebenfalls g-d-r) genannt wurde.

Bedingungserfüllung (heute) → Es gibt ein Gebiet (Agadir oder Cádiz), das dem Namen Gadeiros entspricht.

Kulturelle Bedeutung konzentrischer Kreise

„Und er [Poseidon] machte die Anhöhe [...] zu einem wohlbewehrten Platz, indem er sie rundherum abbrach und Ringe darumzog, abwechselnd von Wasser und von Land, zuerst kleiner und dann immer größere, und zwar zwei aus Land und drei aus Wasser, wobei er sie gewissermaßen von der Mitte dieser Insel aus ringsum abzirkelte [...]“ (Kritias 113d)

Regionale Bedingung Kulturelle Bedeutung konzentrischer Kreise

Wie wir unter Lokale Indizien sehen werden, befindet sich tatsächlich eine geomorphologische Ringstruktur im Souss. Diese besitzt allerdings nur einen Ring und nicht wie von Platon beschrieben drei. Ein Mythos aber, der von einem Gott berichtet, der drei konzentrische Kanäle wie mit einem Zirkel in die Landschaft gezogen hat, könnte sich auch auf andere kulturelle Elemente niedergeschlagen haben. Interessant ist, dass das Zeichen aus drei konzentrischen Kreisen bei den indigenen Amazigh tatsächlich eine religiöse oder magische Bedeutung besaß. Das Symbol aus drei konzentrischen Kreisen wurde schon in der Antike verwendet und gehört auch heute noch zu der Ornamentik der Amazigh. Diese verzieren insbesondere Türen und Tore von Bauernhäusern mit diesem Motiv. Das Ornament wird dabei mittels eines Zirkels in unterschiedlichen Größen in das Holz eingeritzt. Vermutlich besitzt dieses an Toren angebrachte 3-Kreis-Ornament eine magische Schutzfunktion um Haus und Hof vor Bösen zu bewahren. Ähnliche Verwendungen findet man z.B. auch bei den Kelten, die an Türen und Toren Ornamentbänder anbrachten um sich vor bösen Geistern zu schützen. Wie Platon beschreibt, hatten die konzentrischen Kanäle um die Königsburg allerdings eine reelle Schutzfunktion. Neben der heutigen Verwendung auf Türen und Toren, ist es auch bekannt, dass diese 3-Kreis-Ornamente (es sind auch Varianten mit drei konzentrischen Vierecke zu finden) auf antiken libyisch-berberischen Schutz-Schilden aufgebracht wurden. Die so verzierten Schilde besaßen somit eine Kombination aus reellen und magischen Schutz.

Kreisornamentik - Tore von alten Bauerngehöften aus der Souss-Massa Ebene.

Bedingungserfüllung → Das Symbol von drei konzentrischen Kreisen besitzt kulturelle Bedeutung.

Riesige Kanäle

„Diese Ebene nun war von Natur und durch die Arbeit vieler Könige im Verlauf einer langen Zeit auf folgende Weise ausgestaltet worden. Im großen und ganzen bildete sie ein langgestrecktes Rechteck; wo die Seiten nicht gerade verliefen, waren sie durch einen Graben, den man ringsum ausgehoben hatte, gerade gerichtet. Wenn uns einer sagt, wie tief und wie breit und wie lang dieser gewesen sei, so kann man fast nicht glauben, dass dieses von Menschenhand geschaffene Werk, verglichen mit anderen Bauwerken dieser Art, solche Größe gehabt habe; und doch muss ich erzählen, was ich gehört habe. Ein Plethron [etwa 30 m] tief wurde der Graben ausgehoben; seine Breite betrug überall ein Stadion [je nach Maßsystem ca. 180-211 m][...]“ (Kritias 118c)

Regionale BedingungEs sollte riesige Kanäle geben.

Richter (2005)iii schloss, dass die Breiten-Angabe für die Kanäle plausibel erscheint, aber die Kanaltiefe von 1 Plethron (ca. 30 m) scheint dagegen nicht glaubhaft zu sein. Richter argumentierte, dass die äußerst fruchtbare Ebene aus Schwemmland (ähnlich dem Nildelta) bestanden haben muss und daher dort keine sehr tiefen Kanäle existiert haben können. Ein aus Schwemmmaterial bestehendes Ufer würde aber naturgemäß immer wieder abrutschen, wodurch der Kanal zugeschüttet und die Ufer abflachen würden. Dieser Schluss ist aber falsch, den es gibt durchaus eine plausible geologische Erklärung. Tiefe Kanäle mit sehr steilen Flanken können entstehen, wenn sich Flussläufe in eine steinerne Ebene einschneiden. Also z.B. in einen ehemaligen Meeresboden, bestehend aus versteinerten Sedimenten (Kalk- oder Sandstein), der im Laufe der Erdgeschichte über den Meeresspiegel gehoben wurde. Diese Ebene bestünde demzufolge aus einer planen Schicht aus versteinerten Sedimenten, auf der sich im Laufe der Zeit eine alluviale Deckschicht gebildet hat.

Bei der Souss-Ebene handelt es sich genau um solch einen steinernen Meeresboden, der eine fruchtbare, alluviale Deckschicht besitzt und sich zudem um die 30 Meter über dem Meeresspiegel gehoben hat. Die dort vorhandenen Flussläufe besitzen daher auch teilweise exakt die von Platon geschilderten 1 Plethron (30 Meter) hohen, fast senkrechten Ufer. Der Wadi Noun hat an seiner Mündung dabei auch sehr exakt die von Platon geschilderte Breite von 200 Metern (1 Stadion). Insbesondere aus Periplous-Perspektive erwecken die Mündungen von Massa, Noun oder Draa wegen der ungewöhnlich hohen fast senkrechten Ufer den Eindruck von künstlich angelegten riesigen Kanälen, die fast exakt den von Platon angegebenen 'unglaubwürdigen' Dimensionen entsprechen. Natürlich sind diese Kanäle aber kein von Menschenhand geschaffenes Werk.

Mündung Wadi Noun - Der Wadi Noun, sowie der Massa, der Draa und andere Wadis haben sich 30 Meter tief in die südlich des Hohen Atlas beginnende Ebene eingegraben. Die Souss-Ebene besteht aus einem ehemaligen Meeresboden (Kalk- und Sandstein), der sich im Laufe der Erdgeschichte über den Meeresspiegel gehoben hat. Die Bilder zeigen das Mündungsgebiet des Noun, der hier perfekt Platons Angaben eines 1 Stadium breiten und 1 Plethron tiefen Kanals entspricht.

Bedingungserfüllung → Es gibt (natürliche) Kanäle, die den Dimensionsangaben Platons entsprechen.

Fazit Regionale Indizien

Alle hier untersuchten regionalen Kriterien treffen tatsächlich heute auf das südliche Marokko zu. Ob diese Kriterien auch alle in der Vor-Antik zutrafen kann zurzeit noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Besonders hervorgehoben werden muss sicherlich die Übereinstimmung der Kriterien schwarz-rot-weißes Gestein und schwarz-rot-weiße Architektur. Zum einen ist diese Kombination der drei Gesteinsfarben eine absolute Seltenheit, zum anderen ist es erstaunlich, dass, analog zu Platons Beschreibungen, genau diese Farben zu architektonischen Gestaltungszwecken eingesetzt werden. Ein weiteres starkes Indiz ist sicherlich auch die mögliche sprachliche Verwandtschaft zwischen Gadeiros und Agadir. Die geologische Formation der überdachten, schwarz-rot-weißen steinernen Docks, ob von Menschenhand gestaltet oder nicht, ist wegen ihrer weltweiten Einzigartigkeit aber schon fast als ein Beweis für einen wahren Kern in Platons Atlantis-Bericht zu sehen.

Von den vielen anderen, hier nicht vorgestellten regionalen Kriterien scheinen lediglich zwei nicht zuzutreffen oder sind zumindest interpretationswürdig. Dieses ist zum einen der von Platon beschriebene Kanal, der parallel zur Küste verlief, zum anderen die Größe der Ebene. Ersteres Kriterium trifft allerdings heute auf ein Gebiet etwas nördlich des Kap Ghir zu, wo tatsächlich ein über 70 km langer Kanal parallel zur Küste verläuft. Meinte Platon möglicherweise diese natürliche geologische Formation, die sich häufig an sogenannten Ausgleichsküsten (http://de.wikipedia.org/wiki/Ausgleichsk%C3%BCste) bilden? Oder war möglicherweise eine ähnliche Struktur der Souss-Ebene vorgelagert, die vielleicht durch die Atlantiskatastrophe oder auch späteren Erdbeben, Tsunamis und/oder gestiegenem Meeresspiegel zerstört wurde? Das Kriterium der 3000x2000 Stadien (~ 600x400 km) großen Ebene scheint ebenfalls nicht zuzutreffen. Könnte Platon hier Angaben über die wesentlich größere Ebene im Norden Marokkos, vor der auch der Küstenkanal verläuft und die tatsächlich in etwa die erforderliche Größe besitzt, mit anderen Angaben vermengt haben? Oder hat er hier vielleicht Stadien mit Phletren verwechselt und meinte somit nur ein etwa 90x60 km² große Ebene (der Souss besitzt etwa 75x35 km²)? Oder meint er vielleicht das von dem Wadi Souss und Wadi Draa weitläufig umflossene, fast quadratische Gebiet, das den Anti-Atlas und die Souss-Ebene mit einschließt? Diese Interpretation zumindest harmoniert mit der Länge der äußeren Kanäle, die laut Platon um die Ebene herum verliefen und ohne den Küstenkanal 2x2000+1x3000 Stadien (in etwa 1477 km) betragen müsste. Tatsächlich besitzen der Souss und der Draa, deren Quellen nahe beieinander liegen, eine Gesamtlänge von über 1200 km.

Lokale Kriterien

Analog zu der Überprüfung der regionalen Kriterien müssen nun alle lokalen Kriterien zur Eingrenzung der Lage der Hauptstadt ausgewertet werden. Zu diesem Zweck wurden im September 2008 und im Mai 2010 zwei Expeditionen in die Region gemacht.

Unter Lokale Indizien fallen alle von Platon gegebenen Hinweise, die auf die geografische Lage und Eigenschaften der Hauptstadt von Atlantis Bezug nehmen. Hier sind insbesondere folgende Indizien zu berücksichtigen:

Lage der Hauptstadt in der Ebene

„Am Meere, etwa in der Mitte der ganzen Insel, lag eine Ebene; man sagt, sie sei die schönste aller Ebenen gewesen und von reichlicher Fruchtbarkeit. Am Rande dieser Ebene [im Original: „κατὰ δὲ μέσον“, wörtlich: „unter der Mitte von“/ „folgend der Mitte von“, somit dürfte aber nicht die Mitte selbst gemeint sein, daher im Randbereich], etwa fünfzig Stadien gegen das Innere der Insel zu, erhob sich ein durchweg niedriges Gebirge. Dort oben [dem Sitz der Hauptstadt] hatte sich einer der Menschen angesiedelt, die zu Anbeginn in jener Gegend aus der Erde entstanden waren.“ (Kritias 113c)

Hieraus sind unmittelbar folgende lokale Bedingungen abzuleiten:

Lokale Bedingung → Die Hauptstadt sollte auf einer Anhöhe/niedrigen Gebirge liegen.

Lokale Bedingung → Die Hauptstadt sollte 50 Stadien vom Meer entfernt sein.

Lokale Bedingung → Die Hauptstadt sollte am Rande der Ebene liegen.

„Und Poseidon machte die Anhöhe, wo sie [Kleito] wohnte, zu einem wohlbewehrten Platz, indem er sie rundherum abbrach und Ringe darumzog, abwechselnd von Wasser und von Land, zuerst kleiner und dann immer größere, und zwar zwei aus Land und drei aus Wasser, wobei er sie gewissermaßen von der Mitte dieser Insel aus ringsum abzirkelte [...]“ (Kritias 113d)

Lokale Bedingung → Die Hauptstadt (Akropolis) sollte sich innerhalb einer ringförmigen Struktur befinden.

Lokale Bedingung → Es sollte alternierenden Ringe aus Wasser und Land geben.

Zeichnet man eine Linie, die eine Entfernung von 50 Stadien vom Meer13 repräsentiert, und den Rand der Ebene in eine Karte der Souss-Ebene ein, erhält man zwei Schnittpunkte. Fast exakt an dem nördlichen Schnittpunkt der beiden Linien befindet sich eine ringförmige geomorphologische Struktur, welche sich auf einem niedrigen Ausläufers des Hohen Atlas befindet, der in die Ebene hineinreicht.

Lage der Ringstruktur in der Ebene - Die Ringstruktur (Pfeil) befindet sich fast exakt an dem Schnittpunkt Am Rande der Ebene (breiter weißer Streifen) und 50 Stadien im Landesinneren (dünne weiße Linie).

Ringförmige Struktur - Die ringförmige Struktur besteht aus einem flachen, zentralen Berg, der von einem Ring aus Hügeln umgeben ist. Zwischen Ring und zentralen Berg verläuft ein ca. 100 Meter tiefes und 500–1000 Meter breites, ringförmiges Tal.

Lokale Bedingungserfüllung → Es gibt eine Ringstruktur, die sich am Rande der Ebene und in einem Abstand von ca. 50 ägyptischen Stadien zum Meer auf einer niedrigen Anhöhe befindet.

Lokale Bedingung nicht erfüllt → Es gibt keine alternierenden Ringe aus Wasser und Land.

Siedlungsspuren in und um die Ringstruktur

"[...] auf den Brücken auf jeder Seite [...] errichteten sie Türme und Tore [...]" (Kritias 116a)

"[...] die Mauer, die den äußeren Ring umgab [...]" (Kritias 116b)

"Der Königspalast innerhalb der Akropolis [...]“ (Kritias 116c)

„Im Zentrum stand ein Tempel für Kleito und Poseidon [...]" (Kritias 116c)

"Und sie errichteten viele Tempel für die Götter [...]" (Kritias 117c)

"[...] Und ringsum richteten sie Zisternen ein, die einen unter freiem Himmel, die anderen unter einem Dach für die warmen Bäder im Winter." (Kritias 117b)

Und viele andere Textpassagen aus Timaios und Kritias

Eines der wichtigsten lokalen Kriterien ist sicherlich die archäologische Evidenz für prähistorische Bauwerke. Platon beschreibt eine große Vielzahl verschiedener Gebäude in und um die ringförmige Struktur. Es soll dort Stadt- bzw. Befestigungsmauern, Tempel, Bäder, Zisternen, Gärten, Häfen, Brücken, einfache Gebäude etc. gegeben haben. Von vielen dieser Gebäude müssten zumindest noch Ruinen vorhanden sein.

Lokale BedingungEs muss umfangreiche prähistorische Siedlungsspuren geben.

Das gesamte Gelände ist überdeckt mit einer fast unüberschaubaren Anzahl prähistorischer Ruinen verschiedenen Typs. Das Ensemble hat dabei städtische Ausmaße und verteilt sich auf ein über 20 km² großes Gebiet. Teilweise liegen Ruinen in Gruppen beieinander (insbesondere im Zentrum), teilweise sind diese vereinzelt im Gelände und auf den umgebenen Ringwall zu finden. Auf dem zentralen Berg der Ringstruktur befindet sich eine Anlage, die von einer ca. 800m langen, teilweise über zwei Meter dicken Befestigungsmauer umgeben ist. Es handelt sich hierbei vermutlich um eine Art Zitadelle. Zum Teil erinnern die Ruinen an Häuser, Tempel, Kultstätten (so z.B. ein Steinkreis mit Menhir, der vermutlich um eine Quelle arangiert war (heute ausgetrocknet), sowie einen Bereich mit Opfersteinen), Zisternen, Bädern, befestigte Wege, etc. Entlang des ringförmigen Tals um den zentralen Berg sind Spuren eines Erdwalls erhalten, der vermutlich einstmals rund um den zentralen Berg verlief. Hierbei könnte es sich um die innere Stadtmauer handeln, von der Platon sagt, dass sie mit Oreichalkos überzogen war. Erstaunlicher Weise wurden hier Bruchstücke eines rötlichen Kalkputz gefunden, der mit Glimmer angereichert ist. Dieses Material glitzert rötlich in der Sonne, genau wie Oreichalkos, von dem Platon sagt es wurde wie Putz aufgetragen und es funkelte wie Feuer. Aber auch Platon sagt schon, dass er nicht weiß um was für ein Material es sich handelt.

Unzählige Funde von Keramik und Steinwerkzeugen, die zumeist in den Ruinen gefunden wurden, führen zu der Annahme, dass das gesamte Ensemble mindestens seit dem Mesolithikum besiedelt war. An dieser Stelle würde es zu weit führen alle Ruinen im Detail zu beschreiben. Auch wäre für einen akkuraten Vergleich mit der Beschreibung Platons eine intensive archäologische Untersuchung aller Objekte erforderlich. Eine Beschreibung einiger der Gebäude kann aber aus folgender Dokumentation entnommen werden, die eine grobe Übersicht der bisher entdeckten Ruinen aufzeigt: Evidence for a Large Prehistoric Settlement in a Caldera-Like Geomorphological Structure in Southwest Morocco (Huebner & Huebner, 2010) iv.


Übersicht der ringförmigen Struktur - Es befindet sich ein sehr große Anzahl prähistorischer Ruinen auf dem zentralen Berg, sowie den umgebenden Hügelring. Die gesamte Anlage hat städtische Ausmaße.


Ruine - Mauer einer Ruine, die aus drei parallelen Steinreihen besteht, Ehemalige Wandstärke ca. 2,6 Meter.

Diverses - (3) Parallele Pfade/Cursus; (4) Steinaxt aus dem zentralen Bereich; (5) Abgebrochener Menhir (3m), der Teil eines Steinkreises, der vermutlich um eine Quelle arrangiert war (heute ausgetrocknet); (6) Opferstein; (7) Tonscherbe eines Topfs mit Wellenlinienmuster (Alter bis zu 8.000 v.u.Z), der Silex-Werkzeuge beinhaltete (s. Fig. 9); (8) Lkw einer Steinbruchfirma; (9) Silex-Werkzeuge aus dem Tontopf; (10) Mikrolithe aus einem Køkkenmøddinger; (11) Fußabdruck-Petrosomatoglyph

Bedingungserfüllung → Es gibt umfangreiche prähistorisch Siedlungsspuren.

Eine warme und eine kalte Quelle auf dem Berg

„Und was für ihn [Poseidon] als Gott ja eine Leichtigkeit war: er stattete die Insel [den zentralen Berg], die da in der Mitte lag, aufs schönste aus, indem er zwei Quellwasser aus der Erde aufsprudeln ließ, von denen das eine warm, das andere kalt aus seinem Brunnen floß [...]“ (Kritias 113e)

"[...] Und ringsum richteten sie Zisternen ein, die einen unter freiem Himmel, die anderen unter einem Dach für die warmen Bäder im Winter." (Kritias 117b)

Lokale BedingungEs sollte Quellen (warme und kalte) auf der Akropolis gegeben haben.

Konstruktion A (siehe Abbildung) ist ein großer Steinkreis-Komplex. Hier finden sich etliche Zisternen und beckenartige Vertiefungen (evtl. die von Platon erwähnten Bäder?). Am Rande dieses Komplexes befindet sich ein kleinerer Steinkreis, mit einem abgebrochenen Menhir, der vermutlich um eine Quelle (heute ausgetrocknet, aber der Boden ist noch leicht feucht) arrangiert war. Dieses Gebiet liegt fast auf dem höchsten Punkt des zentralen Berges und war vermutlich der Austrittspunkt einer antiklinalen Wasserfalle, also von Wasser, dass durch sein relativ leichtes spezifisches Gewicht an Sattelpunkten von geologischen Verwerfungen/Faltungen an die Oberfläche tritt. Dieser Komplex ist etwas oberhalb des dreieckigen Komplex B (siehe Abbildung) gelegen, bei der es sich um eine befestigte Zitadelle handeln dürfte (Mauerdicke > 2 m). Der Komplex B könnte eventuell durch die oberhalb liegenden Quellen mit Wasser versorgt worden sein. Zahlreiche Steine mit mehreren cm-dicken Travertin-Ablagerungen14 könnten ein Hinweis drauf sein, dass es auch warme Quellen in diesem Gebiet gab. Die geologischen Voraussetzungen für vulkanische Aktivität, und somit auch für warme Quellen, sind ebenfalls gegeben, da sich die gesamte Struktur in dem Gebiet der Southern Atlasic Fault (kontinentale Subduktionszone) befindet.


Kleiner Ausschnitt des zentralen Bereichs. - Steinkreis-Komplex A (Quellen) und dreieckiger Komplex B (Zitadelle). Abbildung: Google

Gebäude aus farbigen Gestein

"[...] zum Teil waren diese Steine weiß, zum Teil schwarz und zum Teil auch rot. [...] Ihre Bauten waren zum Teil einfarbig; bei den anderen wechselten sie mit den Steinsorten ab und gestalteten sie in bunten Farben, aus lauter Spielerei, wobei sie ihnen eine natürliche Anmut verliehen." (Kritias 116b)

Plato beschreibt den Abbau von rot-schwarz-weißem Gestein, aus denen Gebäude errichtet wurden. Es sollten somit auch prähistorische Ruinen aus diesem farbigen Gestein geben.

Lokale BedingungEs sollte prähistorische Ruinen aus rot-schwarz-weißem Gestein geben.

Innerhalb der ringförmigen Struktur befinden sich tatsächlich viele Ruinen, in denen rot-schwarz-weißes Gestein verbaut wurde. Die Farben dieser Steine können nicht auf den ersten Blick erkannt werden, da alle Steine zum einen stark ausgeblichen und/oder von Flechten überwachsen sind. Die Farben können erst dann gut erkannt werden, wenn die Steine feucht gemacht oder aufgebrochen werden.

Zerbrochene Steine einer Ruine. - Die Farben sind deutlich Rot, Schwarz und Weiß. Die prozentuale Verteilung der Farben variiert von Ruine zu Ruine.

Ruine aus rot-schwarz-weißem Steinen. - Alle Steine sind stark erodiert oder mit Flechten überwachsen. Die größeren Steine dieser Ruine sind rot. Die kleineren Steine, mit denen die Zwischenräume befüllt waren, sind sowohl rot, schwarz als auch weiß.Um die Farben besser erkennen zu können wurden die Steine unterhalb des Stativs farblich sortiert und angefeuchtet.

Bedingungserfüllung → Es gibt viele prähistorische Ruinen aus rot-schwarz-weißem Gestein innerhalb der ringförmigen Struktur.

Fazit Lokale Kriterien

Viele, aber nicht alle lokalen Kriterien treffen auf die ringförmig geomorphologische Struktur zu. Die Korrelation zwischen Platons Angaben zur Lage der Hauptstadt innerhalb der Ebene, sowie deren ringförmige Form und der in situ vorgefundenen prähistorischen Siedlung sind bemerkenswert. Das signifikanteste Kriterium ist hierbei sicherlich die archäologische Evidenz für unzählige prähistorische Funde und Ruinen, die analog zu Platon tatsächlich aus rot-schwarz-weißem Gestein konstruiert wurden. Ebenfalls erhärtet sich der Verdacht, dass auch ein Vergleich der Beschreibung der warmen und kalten Quellen und deren Verwendung mit den vorgefundenen Verhältnissen standhalten könnte. Um hier aber einen akkuraten Vergleich zu Platons Angaben machen zu können, sind umfangreiche archäologische Untersuchung unabdingbar,

Für lokalen Kriterien, die nicht auf Anhieb auf die Fundstätte zuzutreffen scheinen, hier insbesondere die Erwähnung der drei konzentrischen Wasserringe, wären ebenfalls intensive archäologische, ethnologische und sprachliche Untersuchungen des Kulturraums in Hinblick auf Platons Atlantis Beschreibung sinnvoll. Möglicherweise können hierdurch plausible Antworten für diese noch offenen Fragen gefunden werden.

Hypothesen

Das Ergebnis der heuristischen Methode der Hierarchical Constraint Satisfaction auf Grundlage von Platons Atlantis Bericht führt zu folgenden zwei Haupthypothesen:

  • Die Souss-Ebene war das Kerngebiet von Platons Insel des Atlas
  • Die ringförmige geomorphologische Struktur war die Hauptstadt der Insel des Atlas
Zusammenfassung Hierarchical Constraint Satisfaction

Die Verwendung der heuristischen Methode der Hierarchical Constraint Satisfaction auf Basis von Platons Atlantis Bericht führt uns zu einer großen ringförmigen Struktur, die in Lage, Form und Größe den Angaben Platons entspricht und die mit vielen prähistorischen Ruinen bedeckt ist. Fast alle Atlantis-relevanten Kriterien passen auf diese Ebene sowie die ringförmige Struktur. Die Souss-Ebene befindet sich im heutigen Südmarokko am Atlantischen Ozean. Der gesamte Maghreb und somit auch die Souss-Ebene werden bis heute, wegen ihrer isoliert liegenden Position, als Insel des Westens (Djesirat el Maghreb) bezeichnet. Die Souss-Ebene ist innerhalb dieser Insel des Westens nochmals durch besonders hohe Gebirgszüge isoliert und war für alle Reisenden aus östlichen Ländern besonders schwer zu erreichen. Die indigene Bevölkerung, die Amazigh, besiedelt diese Region seit mindesten 5.000 Jahren.

Die obigen Erkenntnisse führen zu der Annahme, dass das Atlantis Enigma auf Fakten beruhen könnte und sich somit um einen Mythos mit λόγος Kernel (Papamarinopoulos, 2007) vi handelt. Die Hauptebene der Insel des Atlas ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Souss, der jenseits der Säulen des Herakles liegt und zwischen dem Atlantik (griechisch: Atlantis thalassa = Meer des Atlas), dem Hohen Atlas und dem Anti-Atlas eingegrenzt ist.

Platons Bezeichnung Atlantis Nesos = Insel des Atlas passt auch aus heutiger Sicht noch perfekt auf den Souss. Denn dieser ist ein isoliert liegendes Gebiet, also im übertragenen Sinne eine Insel, das im Norden, Osten, Süden und Westen von „Atlas“ (Gebirge und Ozean) eingegrenzt ist.

Die Insel des Atlas - Die Insel des Atlas liegt zwischen Hohen Atlas, Anti-Atlas und Meer des Atlas.

Andere Quellen
Diodorus Siculus

Platon sagt, dass die atlantische Kultur älter ist als die griechische und ägyptische. Wäre dieses der Fall, dürfte sie die Kulturen des östlichen Mittelmeerraums beeinflusst haben. Diese Annahme wird auch durch den antiken griechischen Geschichtsschreiber Diodorus Siculus (1. Jahrhundert v.u.Z.) unterstützt, der einen ähnlichen, aber entmystifizierten Bericht über die Atlanter und die libyschen Amazonen verfasst hat. Hierbei ist es aber ungewiss, welche Quellen Diodorus Siculus verwendet hat. Seine euhemeristische Erzählweise und die Erwähnung von zusätzlichen Sachverhalten lässt aber den Schluss zu, dass sein Bericht nicht auf Platon aufbaut, sondern aus anderen Quellen stammen dürfte (auch wenn Platons Bericht vielleicht den gleichen Quellen zugrunde liegt). Diodorus Siculus schreibt u.a dass Götter der griechischen und ägyptischen Mythologie tatsächlich auf reale Personen dieser westlichen atlantischen Kultur zurückzuführen sind. Auch beschreibt er, detaillierter als Platon, den Heerzug der Atlanter und Libyschen Amazonen, die über Libyen und Ägypten bis nach Kleinasien (dem Gebiet der heutigen Türkei) vorgedrungen waren. Platon sagt lediglich, dass das Gebiet der Atlanter größer war als Libyen und Kleinasien. Auch sagt Diodorus, dass diese in Kleinasien Städte mit dem Namen der Amazonenkönigin Myrina gegründet haben. Tatsächlich gibt es mehrere antike Städte mit diesem Namen im östlichen Mittelmeerraum, so in etwa die griechische Stadt Myrina an der Westküste der Türkei oder die Hauptstadt Myrina der Insel Limnos.

Analysiert man Diodorus Siculus Bericht mit dem Verfahren der Hierarchical Constraint Satisfaction führt dieses erstaunlicher Weise ebenfalls präzise zu der Souss-Ebene im heutigen Südmarokko. Denn Diodorus gibt sehr eindeutige Angaben zur Lage des von den Atlantoi bewohnten Tritonis 'Sumpf', der sich im Westen, an dem weltumfließenden Ozean (dem Atlantik) unmittelbar beim Gebirge Atlas in der Nähe von Äthiopien 15 befunden haben soll. Diese eindeutigen Koordinaten „am Atlantik“, „in unmittelbarer Nähe zum Atlas“ und „zwischen Atlas und Äthiopien“, die Diodorus verwendet, lassen somit nur den Schluss zu, dass sich der Tritonis Sumpf im Souss befunden haben muss bzw. mit diesem gleichzusetzen ist. Es handelt sich also exakt um das gleiche Gebiet, das die Untersuchung der Platondialoge mittels HCS zum Ergebnis hat. Dieses wurde schon von Berlioux im Jahre 1883 aus Diodorus Bericht geschlussfolgert. Allerdings hatte Berlioux die Hauptebene von Platons Atlantis fälschlicherweise in Nordmarokko lokalisiert und war vermutlich daher nicht in der Lage die Hauptstadt zu lokalisieren um seine Hypothese mit archäologischen Beweisen zu unterstützten.

Maximos von Tyros

Neben den Quellen, die sich direkt oder indirekt auf Atlantis beziehen, wie Herodot oder Diodorus Siculus, sei hier noch eine eher unbekannte Quelle erwähnt, die sich direkt auf das oben behandelte Gebiet des Souss bezieht und veranschaulicht, welche Sicht die Griechen in der Antike darauf hatten.

Maximos von Tyros war ein antiker Redner und Philosoph, der im späten 2. Jahrhundert lebte. In seinen Disertationes vergleicht er die Sitten, Gebräuche und Religionen verschiedener Völker. Hierbei schrieb er auch eine kurze Abhandlung über die libyschen Hesperiden:

„The Hesperian Libyans inhabit a long narrow strip of land surrounded by the sea. The extremity of this peninsula the ocean envelopes with heavy waves and currents. To these men Atlas is a temple and a statue. But Atlas is a hollow mountain, of a great altitude, open to the sea like theatres to the air; and in the middle region of the mountain and the sea there is a deep valley, fertile and well planted with trees. In this valley you may see fruits hanging on the trees, which, when surveyed from the summit, appear to be as it were at the bottom of a well; but it is neither possible to descend into it, for it is precipitous, nor lawful. The prodigy in this place is the ocean, which inundates the shore, and not only pours on the plains but crowns Atlas itself with its waves [die wörtliche Übersetzung aus dem griechischen Original: "Das Wunder an diesem Ort: der überströmende Ozean fällt auf die Küste ein und auf der anderen (Seite der Küste) ergießt er sich in die Ebene und über den Atlas selbst hinweg steigt (des Ozeans) Welle empor"]. You may also see the water rising by itself like a wall, and neither flowing into the hollow places nor supported by the land; but between the mountain and the water there is much air and a hollow grove. This is the temple and deity, the oath and statue of the Lybians.“ (Maximos von Tyros, Disertationes, viii. 57)

Maximos von Tyros beschreibt hier, dass sich der Atlas wie ein Theater zum Ozean hin öffnet. Die einzige Stelle, auf die das zutrifft muss also dort liegen, wo der Atlas auf den Ozean (den Atlantik) trifft und sich „öffnet“, also beim Souss. Die Form des von Gebirgszügen umrundeten Souss ist ja auch tatsächlich gut mit einem zum Atlantik hin geöffneten Amphie-Theater zu vergleichen. Interessant ist hier die Beschreibung des 'hohlen Atlas', womit vermutlich das Souss- und Dades-Tal gemeint sein dürfte, die quer durch das ganze Atlasgebirge verlaufen und ihn in Hohen Atlas und Anti-Atlas auftrennen. Zudem schildert er, dass dieses fruchtbare Tal sehr isoliert liegt, da man wegen der steilen Tal-Flanken weder hinabsteigen kann, noch dass dieses Vorhaben legal sei, da das Gebiet für die libyschen Hesperiden heilig ist. Besonders hervorgehoben werden muss aber Maximos von Tyros Aussage, dass der Ozeans wie eine Wand anwächst und nicht nur die Küste überschwemmt, sondern auch Atlas mit seinen Wellen krönt. Ganz offensichtlich spielt hier Maximos von Tyros auf Tsunamis an.

Die Wahrscheinlichkeit für Tsunamis in diesem Gebiet ist sehr hoch (auch heute noch). Zum einen sind vor der Küste die Kanarischen Inseln vorgelagert, von denen bekannt ist, dass sich von Zeit zu Zeit Bergrutsche ablösen können (und nachweislich schon haben), die wiederum (Mega-)Tsunamis nach sich ziehen können. Derartige Tsunamis würden sogar noch auf die amerikanische Küste verheerende Auswirkung haben (Ward & Day)vii. Zum anderen handelt es sich beim Souss natürlich um ein tektonisch aktives Gebiet, das immer wieder Erdbeben hervorbringt (1960 mit über 15000 Toten in Agadir). Zuletzt können auch unterseeische Hangrutschungen, die sich von dem afrikanischen Kontinentalshelf ablösen die Ursache für Tsunamis sein. Deutsche Forscher des Leibniz-Institut für Meereswissenschaften der Uni Kiel haben 2010 etwas südlich von Laâyoune Beweise für einen gigantischen, ca. 2000 – 3000 Jahre alten unterseeischen Hangrutsch gefunden, von dem sie vermuten, dass dieser einen gewaltigen Tsunami ausgelöst haben dürfte (IFM-GEOMAR, 2010) viii. Ob diese Rutschung allerdings die Ursache für die Atlantiskatastrophe war, oder ob vergleichbare Ereignisse öfters vorkamen muss noch erforscht werden.

Griechische Mythologie - Die goldenen Äpfel der Hesperiden

Die elfte Aufgabe des Herakles, in der er die Goldenen Äpfel der Hesperiden16 dem König Atlas abgaunert und nach Griechenland exportiert haben soll, könnte im Kern auf einer wahren Geschichte beruhen. Es gibt tatsächlich einen Baum, der sogenannte Arganbaum oder Arganie (Argania spinosa), der im südwestlichen Marokko endemisch ist und für solch einen Coup in Frage käme. Aus den Fruchtkernen (Mandeln) des Arganbaums wird das exzellente Arganöl gewonnen, das heute zu den besten und somit auch teuersten Speiseölen der Welt zählt und auch für kosmetische Produkte (Salböl) eingesetzt wird. Dies könnte auch in der Antike schon bekannt gewesen sein. So belegen alt-ägyptische Quellen eine Kriegs- und Handelsbeziehung zwischen Völkern aus Libyen und Ägypten. Ein begehrtes Handelsgut, das von den Ägyptern aus dem Westen angekauft wurde, war ein Öl, das vor knapp 5.000 Jahren ein extrem wertvolles und einzigartiges Produkt gewesen sein muss (Kaplony 1964) ix. Vermutlich handelte es sich wegen der erwähnten Einzigartigkeit dieses Öls aber nicht um gewöhnliches Olivenöl, sondern eben um das seltene und kostbare Arganöl. Da die Äpfel der Hesperiden mehrfach in griechischen Quellen und Mythen Erwähnung finden, ist anzunehmen, dass dieses Öl ebenfalls von den Griechen (über Zwischenhändler in Ägypten und Libyen oder direkt von Völkern aus dem Atlas) angekauft wurde.

Sofern dieses Produkt also tatsächlich schon in der Vor-Antike bis ins ferne Griechenland exportiert wurde und somit sicherlich begehrt und teuer gewesen war, dürfte die Idee, die Pflanze in Griechenland zu kultivieren nahe gelegen haben. Die Geschichte von König Eurystheus, der von Herakles verlangte diese Goldenen Äpfel zu stehlen und nach Griechenland zu bringen, könnte also tatsächlich einen wahren Kern haben.

Das Aussehen der Arganfrüchte erinnert in der Tat an goldene Wildäpfel, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass Äpfel in der Antike nicht unbedingt die Größe heutiger hochgezüchteter Sorten hatten, sondern eher die Größe von Pflaumen oder Walnüssen besaßen. Auch der Geruch der reifen Arganfrucht hat tatsächlich das Aroma von Äpfeln.

Wenn mit Äpfeln der Hesperiden die Arganfrucht gemeint war, dürfte der Garten der Hesperiden eindeutig mit der Souss-Massa Ebene gleichzusetzen sein, da der Arganbaum, bis auf ein kleineres Gebiet nördlich des Atlas, nur im Souss in Südwest Marokko endemisch ist.

Goldene Äpfel der Hesperiden? - Aus den Kernen des im Südwesten von Marokko endemischen Arganbaums wird ein erstklassiges Speiseöl gewonnen. Dieses Öl könnte auch schon in der Antike teuer gehandelt und für kosmetische Zwecke eingesetzt worden sein. Es hat im Gegensatz zum grünlichen Olivenöl eine goldgelbe Farbe, auch die reifen Arganfrüchte leuchten wie goldene Zitronen.

Verbreitungsgebiet des Arganbaums - Der Arganbaum (Argania spinosa) ist heute nur in diesen Gebieten Marokkos endemisch. Quelle: nach Emberger, 1938

Zerstörung der Fundstätte

Unglücklicher Weise ist die prähistorische Siedlung in der ringförmigen Struktur einer massiven Zerstörung durch ortsansässige Steinindustrie (Steinmühlen) ausgesetzt. Diese lässt täglich mehrere LKW-Ladungen insbesondere farbiger Steine der Ruinen abtransportieren und zu Steinmehl verarbeiten, welches gebrannt zu Wandfarbe verarbeitet wird. Die daraus erzeugten Natur-Farben sind demgemäß Schwarz, Rot und Weiß. Das gesamte archäologische Ensemble dient vermutlich schon seit Jahrzehnten als Steinbruch. Mehr zu dieser Zerstörung ist unter (Huebner & Huebner, 2009) zu finden. Dieser Zerstörung sollte schnellstmöglich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Einhalt geboten werden. Marokkanische und deutsche Institutionen wurden schon 2008 informiert, leider gab es aber bis Mai 2010 keine Anzeichen für eine Besserung der Lage. Vielmehr wurde von uns festgestellt, dass die Anzahl der verwendeten Lkws sich erhöht hatte.

Ein sofortiger Stopp dieser Zerstörung sowie eine initiale archäologische Prospektion des Ensembles wären unbedingt erforderlich. Marokkanischen Archäologen, denen wir im Mai 2010 Teile der Fundstätte zeigen konnten, haben sich für eine universitäre Marokkanisch-Deutsche oder Marokkanisch-Internationale Zusammenarbeit ausgesprochen. Institutionen die Interesse an einer Untersuchung haben, können sich gerne zwecks Kontaktvermittlung an uns wenden.

Dieses antike Ensemble ist es wert in die List of World Heritage in Danger der vereinten Nationen aufgenommen zu werden (in Bezug auf Art. 11 (4) der Konventionx.

Schlusswort

Zur Auflösung der eingangs erwähnten Unstimmigkeit der drei Kriterien versunken, Insel und kontinentale Größe könnte folgende Erklärung dienen: Der Souss, in der sich die Königsstadt befand, war die Hauptebene eines großen Reichs, das sich vermutlich über den gesamten Maghreb und Atlasraum erstreckte. Durch Erbeben und Tsunamis, die sich sehr wahrscheinlich im Souss ereignet haben, ist ein Großteil der zentralen gesellschaftlichen Strukturen zerbrochen, was auch zum Untergang des ganzen atlantischen Staatssystems geführt hat. Laut Platon lagen die Atlanter zur Zeit der Katastrophe im Krieg mit Athen, was ebenfalls zu deren 'Untergang' beigetragen haben dürfte. Natürlich hat der Souss, die Insel des Atlas, selber nicht kontinentale Größe. Er ist aber keine Insel im Meer, sondern er ist Teil des afrikanischen Kontinents und der atlantische Staat, so Platon, hatte sich bis vor die Tore Europas und Asiens ausgebreitet, dürfte also dementsprechend groß gewesen sein. Dieses dürfte sicherlich eine plausible Lösung für die drei problematischen Kriterien versunken, Insel und kontinentale Größe sein.

In der 1980 erschienenen Ausgabe der wissenschaftlichen Publikation Almogaren IX-X/1978-79 des Institutum Canarium rezensiert Hans Biedermann das von dem Altkanaristiker Dominik Josef Wölfel erschienene Buch Leonardo Torriani, Die Kanarischen Inseln und Ihre Urbewohner, eine unbekannte Bilderhandschrift vom Jahre 1590 und zitiert daraus:

„Interessant ist, das Wölfel auch in seinem Torriani-Anhang auf seine oft erwähnte, aber nie wirklich greifbar gemachte Westkultur eingeht, jene bisher unbekannte Hochkultur, die auf den Kanarischen Inseln einen bescheidenen Ableger hatte, die in ihren Randwirkungen überall in Nordafrika und Westafrika zu fassen ist, die als wichtige Komponente in die älteste ägyptische und kretische Kultur mit einging und deren innige Verflechtung mit dem alten Westeuropa noch herausgearbeitet werden muss; ihren Charakter werden wir aber erst dann voll erkennen, wenn wir statt auf einen bescheidenen Ableger auf eines ihrer Zentren gestoßen sind. Aber auch bis dahin ist sie schon eine ebensolche Realität, wie es die kretische Kultur nach den Ausgrabungen Schliemanns und vor den Ausgrabungen auf Kreta war, wenn sie auch vorerst auf die anderen schon bekannten alten Hochkulturen und nicht auf ihren wahren Wesenskern bezogen wurde.“ xi

Eines dieser Zentren, um nicht zu sagen -das Zentrum-, das von Dominik Josef Wölfel, dem sogenannten Papst der Kanarenforschung, postuliert wurde, dürfte sich in der ringförmigen geomorphologischen Struktur in der Souss-Ebene befunden haben. Es liegt auf der Hand, dass der Souss, insbesondere zur Zeit der Grünen Sahara, all die Eigenschaften im Übermaß besaß, die günstig für die Entstehung einer Hochkultur waren, analog dem Nildelta in Ägypten oder dem Zweistromland in Mesopotamien. Der Souss war aller Wahrscheinlichkeit nach der Inkubator für eine westliche Hochkultur, deren Spuren Wölfel in den frühen kretischen und ägyptischen Kulturen ausgemacht hat und die sich in den Erzählungen und Mythen der Griechen als Insel des Atlas oder den Garten der Hesperiden manifestiert haben dürfte.

Im Souss wurden uns allerdings keine steinernen Monumentalbauten wie die Pyramiden hinterlassen, da hier vermutlich schon immer bevorzugt mit Lehm und nicht mit Steinen gebaut wurde. Dass solche Lehmgebäude ohne Pflege innerhalb kürzester Zeit zerfallen (und insbesondere auch durch Erdbeben leicht zerstört werden können) und nur noch ihre steinernen Fundamente hinterlassen, ist bekannt. Dennoch könnten sie durchaus ebenso imposant gewesen sein wie die heutigen Kasbas, die in ihrer Konstruktion sicherlich noch ähnlich sind.

Kasba in Südmarokko - Die filigranen Lehmkonstruktionen der Kasbas verfallen innerhalb weniger Jahre, sofern sie nicht instand gehalten werden.

Allen Anschein nach hat Atlantis tatsächlich existiert und muss daher auch Spuren in den Mythen anderer Kulturen hinterlassen haben. Aber alleine bei den Griechen finden sich viele weitere Hinweise auf bisher nicht eindeutig identifizierte und lokalisierte Kulturen, die schon oft mit Platons Atlantis gleichgesetzt wurden und sich somit ebenfalls auf den Souss beziehen könnten. So z.B. Tartessos, eine Kultur von der man Spuren in Südspanien entdeckt hat und die eine dem berberischen Tifinagh verwandte Schrift besaß. Ebenfalls wurde Tartessos von einem König Arganthonios regiert, dessen Namen mit Argan- etymologisch verwandt sein dürfte. Auch Scheria, die Insel der Phäaken wurde schon häufig mit Atlantis gleichgesetzt und sogar das sagenhafte Land Hyperborea (Land jenseits des Nordwindes), das am äußersten Rand des westlichen Erdkreises lag. Dieses wurde schon in der Antike gesucht aber nie gefunden, da man es immer im Norden vermutete. Es könnte aber genau in der entgegengesetzten Himmelsrichtung, im Süden, gelegen haben, in einem Land, das „vor Nordwind geschützt“ lag, ganz analog zu der Bedeutung Hyperborea und analog zu der Lage und Situation der Souss-Ebene und Platons Beschreibung der Hauptebene. Warum auch soll sich der Garten der Hesperiden und der Himmelsgewölbe-tragende Atlas laut der Bibliotheke des Apollodor in Hyperborea befunden haben? Warum wird den Hyperboreern auch eine besonders enge Verbindung mit Apollon, dem Gott des Lichts und des Frühlings und dessen Kult zugeschrieben? Sicherlich nicht, weil sie im kalten Norden beheimatet waren. Und warum stürzte Phaeton, der Sohn des Sonnengottes Helios, hier in den Eridanos, ein Versatzstück, das auch in Platons Timaios Erwähnung fand?

Es wäre wünschenswert, dass der wissenschaftliche Fokus endlich verstärkt auf diesen uralten Kulturraum gerichtet wird, bevor alle Spuren vernichtet sind. Nur so ist es gewährleistet, dass wir ein gesamtheitliches Bild erhalten, das die Beziehung und Einflüsse zum prädynastischen Ägypten, Kreta, Malta und Griechenland sowie dem westlichen Europa erhellt. Nur ein Land das seine Kultur bewahrt besitzt Kultur.

Fußnoten

1 [...] τοι̂ς θ' ὑπὲρ  ̔Ηρακλείας στήλας ἔξω κατοικου̂σιν [...] (Kritias 108e)

2 [...] ἔξωθεν ὁρμηθει̂σαν ἐκτου̂  ̓Ατλαντικου̂ πελάγους […] (Timaios 24e)

3 Platon sagt, die Insel war größer als Libyen (gemeint ist Nordafrika) und Klein Asien (in etwa das Gebiet der heutigen Türkei) zusammen.

4 νῆσος in Henry George Liddell. Robert Scott. A Greek-English Lexicon: nesos

5 So beinhaltet z.B. auch der Begriff für Schwemmland den Term nesos (gr. νῆσοι ποταμοφόρητοι, wörtlich: die von einem Fluss weggetragene Insel)

6 Da das Treffen zwischen dem ägyptischen Priester und Solon zu Solons Lebzeiten (* ca. 640, † vermutlich um 560 v. u. Z.) also ca. um 600 v. u. Z. stattgefunden haben dürfte und Platon schreibt, dass Atlantis 9000 Jahre vor Solons Zeit existierte, kommt man auf ein maximales Alter von Atlantis von ca.: 2000 + 600 + 9000 = 11600 Jahren

7 Da Platon sagt, dass die Hauptstadt 50 Stadien, also 10,55 km (wenn man von ägyptischen Stadien à 211m ausgeht), vom Meer entfernt lag, sollte ein 100 km Breiter Streifen mehr als ausreichend sein.

8 Es muss sich um eine Region südlich des Hohen Atlas handeln, da Platon sagt, dass die Hauptebene südlich von Bergen vor Nordwind geschützt lag.

9 Autolala oder Autololes bedeutet soviel wie der/die Selbstredenden, Selbstlallenden, also ein griechischer Ausdruck für einen Anderssprachigen. Die ebenfalls griechische Bezeichnung Barbar/Berber ist hier ganz analog und spielt darauf an, dass man von seinem Gegenüber nur Gebrabbel „barbarbar“ versteht.

10 Die Phäaken sind ein Volk von Seefahrern der griechischen Mythologie. Der Name leitet sich von Phaiax, dem Sohn des Poseidon und der Nymphe Kerkyra ab. Die bei Homer als gastfreundlich bezeichneten Phäaken konnten ein glückliches und sorgloses Leben führen, da Scheria, die Insel auf der sie lebten, sehr fruchtbar gewesen sein soll. Odysseus beanspruchte die Hilfe der Phäaken, da diese begnadete Schiffbauer und Seefahrer waren, die mit ihren Schiffen, als hätten sie Flügel, über das Meer fuhren. Die Insel Scheria ist bis heute ebenso wenig lokalisiert wie Platons Insel des Atlas. Möglicherweise sind diese identisch.

11 Da g-d-r offenbar „isoliertes, abgegrenztes Gebiet“ im abstrahierten Sinne bedeutet, ist diese Bezeichnung auch für Insel oder Insel im Sinne der arabischen Geografen passend.

12 Semitisch ist ebenso wie Berberisch eine afroasiatische Sprache. Es wäre alternativ möglich, dass sich Agadir und das semitische g-d-r auf das gleiche Wort der afroasiatischen Ursprache zurückführen lassen und nicht unbedingt über den Umweg des Semitischen->Phönizischen->Punischen in diese Region (zurück-)gelangt ist. Die Lage der Urheimat des Proto-Afroasiatischen und somit des Semitischen und Berberischen ist umstritten, da jedoch die Mehrzahl der afroasiatischen Sprachen in Afrika beheimatet ist, liegt eine Herkunft aus Afrika auf der Hand. Insbesondere wird hier der Sahararaum um das heutige Siedlungsgebiet der berberischen Tuareg favorisiert.

13 Hier wurden ägyptische Stadien (ca. 211 m) zugrunde gelegt. 50 ägyptische Stadien = 10,55 km.

14 Aus Wasser ausgefällter Kalk, der sich insbesondere bei warmen Wassertemperaturen ausbildet .

15 Noch Ptolemäus verzeichnet das antike Äthiopien im Süden des Hohen Atlas an der Westküste Afrikas. Wohlgemerkt, dieses antike Äthiopien hat nichts mit dem heutigen zu tun, denn die Etymologie bedeutet lediglich Das Land der Sonnengebräunten.

16 Der Name dieser mythologischen Gestalten leitet sich von dem griechischen Wort für Abend, Westen ἡ ἑσπέρα hespera ab. Dieses Wort wiederum hat eine gemeinsame etymologische Wurzel mit dem lateinischen vesper der Abend, Abendstern und west in den germanischen Sprachen.

Referenzen

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ii K. Fleming, P. Johnston, D. Zwartz, Y. Yokoyama, K. Lambeck and J. Chappell, Refining the eustatic sea-level curve since the Last Glacial Maximum using far- and intermediate-field sites. Earth and Planetary Science Letters, Volume 163, Number 1, November 1998

iii Ulf Richter, Plato´s Atlantis was in a River Delta, Schwabenheim, Germany

vi Papamarinopoulos, S. (2007). Epilogue. Heliotopos Publications. Proceedings of the International Conference on "The Atlantis Hypothesis: Searching for a Lost Land", 11-13 July 2005, Milos island, Greece, p. 585. Figure 11.

vii Ward, S. N. & Day, S. (2001). Cumbre Vieja Volcano -- Potential collapse and tsunami at La Palma, Canary Islands. American Geophysical Union.

viii Krastel, S. (2010), Hangrutschung vor Westafrika, Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFMGEOMAR), Online Artikel

ix Peter Kaplony, Die Inschriften der ägyptischen Frühzeit, Harrassowitz, Wiesbaden, 1964

x List of World Heritage in Danger der vereinten Nationen UNESCO World Heritage Convention

xi Almogaren IX-X/1978-79, Institutum Canarium, GISAF Hallein/Austria, S. 440